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Trachtenkunde

Das Charivari: Die Kette, die man nicht kauft, sondern sammelt

Ein Charivari ist die meist silberne Schmuckkette der bayerischen Männertracht: quer über dem Hosenlatz der Lederhose getragen, behangen mit Münzen, Grandeln und Talismanen. Es ist das persönlichste Stück der ganzen Tracht – denn nach der reinen Lehre wird ein Charivari nicht fertig gekauft, sondern ein Leben lang zusammengetragen, geschenkt und vererbt.

Kurz gefasst
  • Charivari: Schmuckkette der Maennertracht, meist Silber, quer am Hosenlatz oder an der Weste.
  • Anhaenger: Grandeln (Hirsch-Eckzaehne), alte Muenzen und Taler, Wallfahrtsmedaillen, Erbstuecke.
  • Wortherkunft: franzoesisch charivari = laermendes Durcheinander (Katzenmusik).
  • Regel der Trachtler: Jedes Stueck soll eine Geschichte haben - Komplett-Kauf gilt als stillos.

Was dranhängt – und warum

Das klassische Charivari erzählt eine Biografie in Anhängern: die Grandel vom ersten selbst erlegten Hirsch (oder vom Grossvater), der alte Taler aus dem Nachlass, die Wallfahrtsmedaille aus Altötting, ein Stück Bergkristall, ein gefasster Dachszahn als Glücksbringer. Früher galt die Kette zugleich als tragbarer Notgroschen – Silber und Münzen am Mann waren Vermögen, das man vorzeigen und im Ernstfall verwerten konnte. Wer heute ein Charivari beginnt, fängt klein an: eine Kette, zwei, drei Stücke mit Bedeutung. Der Rest kommt mit den Jahren.

Wie man es trägt

Beim Mann gehört das Charivari in leichtem Bogen quer über den Latz der Lederhose, eingehängt an den Latzknoepfen, alternativ an der Weste. Frauen tragen Charivari-Varianten seltener – wenn, dann an der Dirndlschürze oder als Anhänger an der Halskette. Ein Stück genügt: Wer Latz, Weste und Hut gleichzeitig behaengt, verwechselt Tracht mit Christbaum.

Mythos gegen Fakt: Wie alt ist der Brauch?

Mythos-Check

Das Charivari wird gern in graue Vorzeit datiert. Fassbar wird es als Trachtenschmuck aber erst im 19. Jahrhundert – und schon der Name verrät jüngere, französische Einflüsse: charivari hiess die Katzenmusik, das laermende Durcheinander. Aufs Klimpern der Anhänger passt das bis heute.

Wie beim Schleifen-Code gilt: Das schmälert nichts. Ein Brauch, der Erinnerungsstücke am Körper sammelt und weitervererbt, braucht kein Mittelalter-Zertifikat – er stiftet Kontinuität genau dadurch, dass jede Generation ein Stück anhängt.

Quellen und Einordnung

Beschreibung nach volkskundlicher Standardliteratur zum alpenlaendischen Trachtenschmuck und der Praxis der oberbayerischen Trachtenvereine; Wortherkunft (frz. charivari, Katzenmusik) nach den gaengigen etymologischen Woerterbuechern. Datierungen bewusst zurueckhaltend - fruehere Urspruenge sind nicht belegt. Stand 19.07.2026.

Häufige Fragen

Was ist ein Charivari?
Die Schmuckkette der bayerischen Maennertracht - meist Silber, getragen quer am Hosenlatz, behangen mit Muenzen, Grandeln und Talismanen.
Was ist eine Grandel?
Ein Eckzahn des Rotwilds - klassischer Jagd-Anhaenger und Gluecksbringer.
Darf man ein Charivari fertig kaufen?
Duerfen ja, unter Trachtlern gilt es als stillos. Die Kette soll wachsen: geschenkt, gesammelt, geerbt.
Tragen auch Frauen ein Charivari?
Seltener - dann an der Dirndlschuerze oder als Kettenanhaenger.
Woher kommt das Wort?
Aus dem Franzoesischen: charivari = Katzenmusik, laermendes Durcheinander - passend zum Klimpern der Anhaenger.