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Kirchenjahr · Sommer

Feuer auf den Bergen: Bayerns Sommerbräuche

Wenn im Juni auf den Bergen die Feuer brennen, überlagern sich zwei Traditionen: die Sonnwendfeuer zur Sommersonnenwende am 21. Juni und die Johannisfeuer zum Geburtsfest Johannes des Täufers am 24. Juni. Dazu gehört der Sommer der stillen Bräuche: die Maiandachten des Marienmonats - und am anderen Ende des Jahres das Funkenfeuer, das den Winter verabschiedet.

Kurz gefasst
  • Sonnwendfeuer: um den 21. Juni (Sommersonnenwende), in den Bergen oft als Bergfeuer in Ketten.
  • Johannisfeuer: am 23./24. Juni zum Johannistag - die kirchlich gedeutete Form desselben Feuerbrauchs.
  • Maiandacht: Marienandachten im Mai, dem Marienmonat - mit Marienliedern an geschmückten Altären.
  • Funkenfeuer: Frühjahrsfeuer (v.a. Allgäu/Schwaben) am Funkensonntag nach Aschermittwoch - der Winter wird verbrannt.

Sonnwend und Johannis: Ein Feuer, zwei Deutungen

Das Feuer zur längsten Zeit des Jahres ist einer der ältesten Brauchreflexe Europas; die Kirche legte es auf den Johannistag am 24. Juni und gab ihm den Täufer als Patron. In Bayern leben beide Namen nebeneinander: Sonnwendfeuer heißt es, wo die Sonnenwende gemeint ist, Johannisfeuer, wo die Pfarrei lädt - das Feuer ist dasselbe. Besonders eindrucksvoll sind die Bergfeuer, wenn ganze Gipfelketten in der Dämmerung aufleuchten. Alte Zutaten des Brauchs: das Feuerspringen der Paare und der Glaube an die reinigende Kraft der Johannisnacht.

Maiandacht: Der stille Maibrauch

Neben dem lauten Maibaum hat der Mai eine leise Seite: die Maiandachten. Der Mai gilt seit dem 19. Jahrhundert als Marienmonat - allabendlich oder wöchentlich versammeln sich Gemeinden an blumengeschmückten Marienaltären, in Kapellen und an Hofaltären, singen Marienlieder und beten. Es ist Brauchtum ohne Zuschauer: Wer eine Maiandacht in einer Dorfkapelle erlebt, sieht das Kirchenjahr in seiner intimsten Form.

Funkenfeuer: Der verbrannte Winter

Am Funkensonntag - dem Sonntag nach Aschermittwoch - brennen vor allem im Allgäu und in Schwaben die Funkenfeuer: hohe, kunstvoll geschichtete Holztürme, oft mit einer Hexenpuppe an der Spitze, die den Winter symbolisch verbrennt. Der Brauch gehört zum großen Muster der Übergangsfeuer: Was gehen soll, wird verbrannt - ob Winter, Unglück oder das alte Jahr.

Quellen und Einordnung

Feuerbrauchtum (Sonnwend/Johannis, Funkensonntag) und Maiandachten nach volkskundlicher Standardliteratur zum bayerischen und alpenländischen Jahreslauf. Stand 19.07.2026.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Sonnwendfeuer und Johannisfeuer?
Im Kern derselbe Brauch: Sonnenwende (21.6.) weltlich, Johannistag (24.6.) kirchlich gedeutet.
Was ist eine Maiandacht?
Marienandacht im Mai an geschmückten Altären - seit dem 19. Jahrhundert verbreitet.
Wann ist der Funkensonntag?
Am Sonntag nach Aschermittwoch - der Funken verbrennt symbolisch den Winter.