Wenn Ende November der große Christbaum auf dem Marienplatz zu leuchten beginnt, ordnet sich der Münchner Advent um einen festen Mittelpunkt. Der Christkindlmarkt ist dabei nur die sichtbarste Schicht. Darunter liegen ältere Bräuche, die vom Turmblasen über die Krippen bis zu den Barbarazweigen reichen und die Wochen vor Weihnachten seit Generationen gliedern. Genau dieses Geflecht erzählt diese Seite, nicht den Glühweinpreis.
Der belegte Kern
Der Münchner Christkindlmarkt findet jährlich rund um den Marienplatz statt und läuft bis zum Heiligen Abend. 2026 öffnet er am 20. November und dauert bis zum 24. Dezember. Ab 2026 beginnt er bereits am Freitag vor dem Totensonntag und damit etwas früher als in den Jahren zuvor. Rund einhundertvierzig Waren- und Gastronomiestände bieten Christbaumschmuck, Kunsthandwerk, Krippenfiguren und traditionelle Speisen an. Der Eintritt auf den Platz ist frei.
Getragen wird der Markt von der Landeshauptstadt München. Er gilt als der älteste und bekannteste Weihnachtsmarkt der Stadt. Sein Wahrzeichen ist der große geschmückte Christbaum in der Mitte des Marienplatzes, der viele tausend Lichter trägt und den ganzen Platz überstrahlt.
Herkunft: von der Nikolaidult zum Christkindlmarkt
Die Anfänge liegen in den Nikolausmärkten des 14. Jahrhunderts. In den Annalen der Stadt wird 1642 eine Nikolaidult in der Kaufinger Straße beim Schönen Turm erwähnt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, um 1803, verlagerte sich die Dult zum Promenadeplatz. In dieser Zeit wandelte sich der Markt vom Nikolaus- zum Christkindlmarkt, weil zunehmend das Christkind als Gabenbringer galt. An den heutigen Standort rund um den Marienplatz zog der Markt allerdings erst 1972.
Der Name Dult verweist auf die alte Münchner Markttradition, die auch die Auer Dult trägt. Der Christkindlmarkt ist also weniger eine feste Institution an einem Ort als eine wandernde Marktidee, die sich über Jahrhunderte an verschiedenen Plätzen der Stadt gehalten hat.
Der Christbaum wechselt jedes Jahr, der Platz hat mehrfach gewechselt, geblieben ist die Idee, dass eine ganze Stadt sich im Advent an einem Markt versammelt.
Turmblasen und Kripperlmarkt
Zwei Bräuche geben dem Markt seinen eigenen Klang. Vom Balkon des Neuen Rathauses erklingt täglich im Advent Adventsmusik, das sogenannte Turmblasen, mit Bläserensembles und Chören über den Köpfen der Besucher. Und am Rathauseck beim Alten Peter reiht sich der Kripperlmarkt, einer der größten seiner Art in Deutschland, mit Krippenfiguren, Ställen und Zubehör. Er hält die alte bayerische Krippenkultur im Handel lebendig.
Mythos-Check
Oft heißt es, der Christkindlmarkt am Marienplatz sei viele hundert Jahre alt. Richtig ist, dass die Markttradition mit der Nikolaidult ins Mittelalter zurückreicht. Der Markt an seinem heutigen Ort am Marienplatz besteht aber erst seit 1972. Alt ist nicht der Platz, alt ist der Brauch des Advents- und Nikolausmarkts, der über die Jahrhunderte gewandert ist und mehrfach den Namen wechselte. Wie sich solcher Kern von der Legende trennen lässt, zeigt das Thema Kirchenjahr und Feste.