Wer wissen will, warum ein Brauch wann stattfindet, muss selten in den Kalender schauen und fast immer ins Kirchenjahr. Der katholische Festkreis ist das unsichtbare Gerüst, an dem die bayerische Tradition hängt.
Der Jahreskreis
Er beginnt mit dem Fasching, der am Aschermittwoch endet. Es folgt die Fastenzeit, in der die Starkbierzeit ihren Platz hat, weil das Starkbier einst die flüssige Fastenspeise der Mönche war. Ostern bringt den Georgiritt am Ostermontag. Fronleichnam füllt die Straßen mit Prozessionen und Blumenteppichen. Im Herbst steht die Leonhardifahrt um den 6. November für die Pferdesegnung, kurz darauf Allerheiligen und Allerseelen mit dem Gang zu den Gräbern. Der Advent schließt das Jahr.
Warum gerade katholisch
Altbayern blieb nach der Reformation katholisch. Der katholische Festkalender ist dichter besetzt als der protestantische, mit mehr Heiligentagen, Prozessionen und Segnungen. Das erklärt, warum das Brauchtum im Süden so viel reicher und sichtbarer ist als in vielen Regionen des Nordens.
Vielen kirchlichen Bräuchen werden gern heidnische, vorchristliche Wurzeln angedichtet. Manchmal stimmt das, oft ist es schlecht belegt und sagt mehr über die Romantik des 19. Jahrhunderts als über die Antike.
Leonhardifahrt
Die Pferdesegnung um den 6. November, im Frühjahr ergänzt durch den Georgiritt.
Lesen →Mythos gegen Fakt
Wie viel an den angeblich uralten Wurzeln wirklich dran ist.
Lesen →Quellen und Einordnung
- Liturgischer Kalender der katholischen Kirche und volkskundliche Literatur zum bayerischen Festjahr.
- Zur konfessionellen Prägung Altbayerns nach der Reformation siehe landesgeschichtliche Standardwerke.
Stand Mai 2026. Termine richten sich nach dem beweglichen Osterdatum und regionalen Kalendern.