Brauchtum MünchenLebendige Tradition
Umzug · erster Wiesn-Sonntag

Der Trachten- und Schützenzug

Am ersten Sonntag der Wiesn wird die Innenstadt zur Bühne: rund neuntausend Menschen in historischen Trachten ziehen sieben Kilometer vom Maximilianeum zur Theresienwiese. Einer der größten Trachtenumzüge der Welt, und der stille Höhepunkt des Fests.

Termin 2026So, 20. Sept
Startgegen 10:00
Streckeca. 7 km
Teilnehmerrund 9000

Während die Zelte am ersten Sonntag noch füllen, hat der Trachtenzug längst begonnen. Vom Maximilianeum her schiebt sich ein sieben Kilometer langes Band aus Fahnen, Kapellen und Festwagen durch die Stadt. Rund neuntausend Menschen gehen mit, in Trachten, wie sie vor zweihundert Jahren getragen wurden, und mit Pferden und Vieh, die auf der Straße sonst nicht mehr vorkommen. Der Zug ist kein Beiwerk der Wiesn, sondern ihr ältester Schauwert.

Der belegte Kern

Der Trachten- und Schützenzug findet jedes Jahr am ersten Sonntag des Oktoberfests statt, 2026 am 20. September. Er setzt sich gegen 10:00 Uhr am Max-II-Denkmal neben dem Maximilianeum in Bewegung und braucht rund zwei Stunden bis zur Theresienwiese. Getragen wird er von etwa neuntausend Mitwirkenden in rund sechzig Zugnummern, dazu kommen mehr als sechzig geschmückte Festwagen und Kutschen. Organisiert wird der Zug vom Festring München.

Die Route ist etwa sieben Kilometer lang und führt vom Maximilianeum über die Maximilianstraße, die Residenzstraße, den Odeonsplatz und weiter durch die Innenstadt bis zur Wiesn. An zwölf Stellen entlang der Strecke stehen Tribünen mit Sitzplätzen gegen Gebühr, ansonsten schaut man kostenlos vom Gehweg. Das Fernsehen überträgt den Zug live.

Herkunft: die Silberhochzeit von 1835

Der Ursprung ist gut dokumentiert. 1835 zog der Festzug zum ersten Mal, zu Ehren der Silberhochzeit von König Ludwig I. und Königin Therese und zugleich zum 25-jährigen Bestehen des Oktoberfests. In den Jahrzehnten danach fand er nur unregelmäßig statt, zu besonderen Anlässen und Jubiläen. Erst 1950, zur 140. Wiesn, wurde er in seiner heutigen Form neu begründet und wird seither Jahr für Jahr abgehalten.

Der Festring München, ein Verein für Münchner und bayerisches Brauchtum, stellt den Zug seit 1950 zusammen. Die sechs Münchner Traditionsbrauereien steuern die großen Festwagen bei, die Trachten- und Schützenvereine die Marschgruppen. Über die Jahre kamen Gäste aus vielen deutschen Ländern und aus dem Ausland hinzu, sodass der Zug heute die Vielfalt von Trachten, Volkstanz und Blasmusik zeigt.

Der Zug führt einmal im Jahr vor, was Tracht ursprünglich war: kein Kostüm, sondern die genaue, an Ort und Stand gebundene Kleidung einer Landschaft.

Vom Jubiläumszug zum festen Brauch

Was 1835 als einmalige Huldigung an das Königspaar begann, war lange ein seltenes Ereignis. Der Zug ritt zu runden Jahrestagen, dann wieder jahrzehntelang gar nicht. Die Wende brachte der Wiederaufbau nach dem Krieg: Ab 1950 machte der Festring den Umzug zur festen Einrichtung jedes ersten Wiesn-Sonntags. Seitdem ist er ein verlässlicher Teil des Fests und einer der größten Trachtenumzüge der Welt. Nur die Pandemiejahre 2020 und 2021, in denen die Wiesn ausfiel, unterbrachen die Reihe.

Mythos-Check

Oft wird jede Lederhose und jedes Dirndl im Zug für eine uralte Tracht gehalten. Tatsächlich sind die gezeigten Trachten sorgfältig rekonstruierte historische Gewänder einzelner Orte und Stände, dazu Biedermeier-Mode und sogar Ritterrüstungen als Schaubilder. Sie unterscheiden sich deutlich vom modischen Wiesn-Dirndl der Zeltbesucher, das eine spätere, freiere Erfindung ist. Wie sich echte Tracht von der Mode trennen lässt, zeigt die Trachtenkunde.

Die Bausteine

Was im Zug mitgeht

Die Spitze

Münchner Kindl und Ehrengäste

An der Spitze reitet das Münchner Kindl, das Wahrzeichen der Stadt, gefolgt vom Oberbürgermeister und den Ehrengästen in festlichen Kutschen. Sie eröffnen den Zug und geben die Richtung vor, der die neuntausend Mitwirkenden folgen.

Zugnummer 1
Die Fahnen

Fahnenträger und Fahnenschwinger

Vor jeder Gruppe gehen die Fahnenträger mit den Standarten ihrer Vereine und Landschaften. Fahnenschwinger werfen die schweren Tücher in hohem Bogen und fangen sie wieder, ein altes Handwerk, das den Zug rhythmisch gliedert.

Vor jeder Gruppe
Die Trachten

Historische Trachtengruppen

Den Kern bilden die Trachtenvereine in den Festtagsgewändern ihrer Orte, dazu Gruppen in Biedermeier-Mode und historische Darstellungen. Jede Tracht ist an Landschaft und Stand gebunden, nichts davon ist beliebig zusammengestellt.

Der Kern des Zugs
Der Klang

Musikkapellen und Spielmannszüge

Zwischen den Gruppen marschieren zahlreiche Blas- und Musikkapellen, die Volks- und Marschmusik spielen. Sie geben den Takt vor, halten den langen Zug zusammen und tragen den Klang über die ganze Strecke.

Zwischen den Gruppen
Die Wagen

Festwagen der Brauereien

Die sechs Münchner Traditionsbrauereien schicken prächtig geschmückte Festwagen und Prunkgespanne mit ihren schweren Kaltblütern. Mehr als sechzig Wagen und Kutschen rollen mit, viele beladen mit Fässern und Blumenschmuck.

Über sechzig Gespanne
Das Land

Pferde, Vieh und Schützen

Zum Zug gehören Pferde, geschmücktes Vieh und die Schützen mit ihren historischen Gewehren, die an mehreren Stellen Ehrensalut geben. Sie erinnern an die landwirtschaftliche Wurzel des Fests und geben dem Umzug seinen Namen.

Am Ende des Zugs

Tracht, Schau und die Frage nach dem Echten

Der Zug lebt vom Unterschied zwischen echter Tracht und modischem Kostüm. Was die Trachtenvereine tragen, folgt genauen Regeln von Ort, Anlass und Stand. Wer wissen will, was eine Tracht ursprünglich aussagte und woran man sie erkennt, findet das in der Trachtenkunde und beim Brauch Tracht und Trachtenvereine. Der Zug selbst ist der Rahmen, in den sich alle übrigen Bräuche der Wiesn einfügen, nachzulesen beim Oktoberfest.

Besuch und Anfahrt

Hinkommen. Am besten ohne Auto. Zum Start eignen sich die Stationen rund um den Odeonsplatz, den Marienplatz oder das Isartor, für das Ziel die U4 oder U5 bis Theresienwiese. Am Zugweg gilt an diesem Vormittag großräumige Sperrung, viele Straßen der Innenstadt sind für den Verkehr dicht.

Wo schauen. An zwölf Stellen entlang der Strecke gibt es Tribünen mit Sitzplätzen gegen Gebühr, buchbar im Vorverkauf. Kostenlos schaut man vom Gehweg der Maximilianstraße, am Odeonsplatz oder nahe der Theresienwiese. Für einen guten Platz früh kommen, der Zug beginnt gegen 10:00 Uhr.

Mit Kindern. Der Zug ist gut für Familien geeignet, weil viel zu sehen ist und nichts kostet. Pferde, Vieh und die bunten Wagen kommen bei Kindern besonders an. Ein Platz am Straßenrand mit Blick auf Kopfhöhe der Wagen lohnt sich.

Das Fest

Das Oktoberfest

Einzug, Anstich, Standkonzert: der Trachtenzug im Zusammenhang aller Bräuche der Wiesn.

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Kleidung erkennen

Trachtenkunde

Woran man echte Tracht erkennt und wie sie sich von Biedermeier-Mode und Wiesn-Dirndl unterscheidet.

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Der Brauch

Tracht und Trachtenvereine

Was die Festtagstracht ursprünglich verriet und wie die Vereine sie bis heute pflegen.

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Quellen

  1. Festring München e.V., offizielle Seiten zum Trachten- und Schützenzug, zu Ursprung 1835, Neubegründung 1950, Teilnehmerzahl, Zugnummern und Streckenverlauf.
  2. muenchen.de, offizielle Seiten der Landeshauptstadt München zum Oktoberfest und zum Trachten- und Schützenzug, zu Termin, Startzeit und Route.
  3. oktoberfest.de, offizielles Wiesn-Portal, zu Ablauf, Teilnehmern und Streckenlänge des Zugs.
  4. Historisches Lexikon Bayerns, Artikel Oktoberfest, zu Ursprung 1810 und zur Geschichte der Festzüge.

Stand August 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.