Brauchtum MünchenLebendige Tradition
Volksfest · Theresienwiese

Das Oktoberfest

Das größte Volksfest der Welt ist im Kern ein Bündel handfester Bräuche: der Einzug der Wirte, der Anstich, der Trachtenzug, das Standkonzert. Wer nur die Maß sieht, übersieht das Fest.

Termin 202619. Sept bis 4. Okt
Dauer16 Tage
OrtTheresienwiese
EintrittFrei

Sechs Millionen Menschen, vierzehn große Zelte, rund sechs Millionen Maß Bier: Das Oktoberfest ist zuerst eine Zahl. Doch die Wiesn ist kein bloßer Rummel, sondern das dichteste Brauchtumsereignis der Stadt. Rund um den Ausschank liegt eine feste Ordnung aus Umzügen, Ritualen und Rollen, die seit über zweihundert Jahren gepflegt wird. Genau diese Ordnung erzählt diese Seite, nicht den Bierpreis.

Der belegte Kern

Das Oktoberfest findet jährlich auf der Theresienwiese statt, dauert 16 bis 18 Tage und endet immer am ersten Sonntag im Oktober. Fällt dieser Sonntag auf den 1. oder 2. Oktober, wird bis zum 3. Oktober verlängert, damit der Tag der Deutschen Einheit einbezogen ist. 2026 läuft es vom 19. September bis zum 4. Oktober.

Getragen wird das Fest von der Landeshauptstadt München als Veranstalterin, von sechs Münchner Traditionsbrauereien, den Festwirten und den Schaustellern. Nur Bier der Münchner Brauereien nach dem Reinheitsgebot darf ausgeschenkt werden, das ist im Wiesnbier festgeschrieben. Der Eintritt auf den Platz und in die Zelte ist frei.

Herkunft: die Hochzeit von 1810

Der Ursprung ist gut dokumentiert. Am 12. Oktober 1810 heiratete der bayerische Kronprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I., Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Zu den Feierlichkeiten veranstaltete die Bürgerschaft, wesentlich auf Betreiben des Nationalgarde-Majors Andreas Michael Dall'Armi, am 17. Oktober 1810 ein Pferderennen auf einer Wiese vor den Toren der Stadt. Das Rennen kam so gut an, dass König Max I. Joseph die Wiederholung genehmigte. Ab 1811 wurde es jährlich abgehalten. Die Wiese wurde nach der Braut Theresienwiese getauft, im Volksmund zur Wiesn verkürzt.

Von Beginn an gehörte ein landwirtschaftlicher Teil dazu: Der Landwirtschaftliche Verein in Bayern richtete ab 1811 das Zentral-Landwirtschaftsfest aus, mit Tierschauen und Prämierungen. Es findet bis heute alle paar Jahre parallel zur Wiesn statt und ist der zweite historische Wurzelstrang des Fests.

Das Pferderennen ist längst verschwunden, geblieben ist die Wiese, ihr Name und die Idee, dass eine ganze Stadt ihr eigenes Fest feiert.

Vom Rennen zum Volksfest

Das namensgebende Pferderennen wurde 1938 zum letzten Mal geritten. An seine Stelle traten über die Jahrzehnte die Elemente, die heute den Brauchtumskern bilden: der Einzug der Wirte, der Anstich, der große Trachtenzug und das Standkonzert. Das Fest wurde nur selten unterbrochen, durch Cholera 1854 und 1873, durch Kriege und Inflation und zuletzt 2020 und 2021 durch die Pandemie. In über zweihundert Jahren fiel es rund zwei Dutzend Mal aus, was die Ausnahmen umso sichtbarer macht.

Mythos-Check

Oft heißt es, das Oktoberfest heiße so, weil es im Oktober stattfinde. Tatsächlich beginnt es seit dem späten 19. Jahrhundert im September, weil das Wetter dann milder und die Abende länger sind. Der Name blieb, weil das erste Fest 1810 im Oktober lag und der Schlusssonntag bis heute im Oktober bleibt. Wie sich solcher Kern von der Legende trennen lässt, zeigt das Thema Mythos gegen Fakt.

Die Bausteine

Das Brauchtum der Wiesn

Eröffnung

Einzug der Wiesnwirte

Am ersten Samstag ziehen die Festwirte mit festlich geschmückten Kutschen und Prunkwagen der Brauereien, mit Kapellen und Bedienungen von der Sonnenstraße zur Theresienwiese. Der Zug führt die Wirtsfamilien in ihre Zelte und eröffnet das Fest optisch, bevor der erste Krug fließt.

Sa, 19. Sept · 10:45
Der Anstich

O'zapft is im Schottenhamel

Um 12 Uhr sticht der Münchner Oberbürgermeister im Schottenhamel-Zelt das erste Fass an, im Idealfall mit zwei Schlägen. Der Ruf O'zapft is gibt das Fest frei, zwölf Böllerschüsse melden es der ganzen Wiesn. Erst jetzt darf überall ausgeschenkt werden. Die erste Maß geht an den bayerischen Ministerpräsidenten.

Sa, 19. Sept · 12:00
Der große Zug

Trachten- und Schützenzug

Am ersten Sonntag ziehen rund neuntausend Teilnehmer in historischen Trachten, mit Fahnen, Musikkapellen, Festwagen, Pferden und Vieh über etwa sieben Kilometer vom Maximilianeum zur Theresienwiese. Der Zug in heutiger Form geht auf 1835 zurück, als er zur Silberhochzeit von Ludwig und Therese erstmals ritt, und findet seit 1950 jährlich statt. Er ist einer der größten Trachtenumzüge der Welt.

So, 20. Sept · 10:00
Der Klang

Standkonzert der Wiesnkapellen

Am zweiten Sonntag versammeln sich die Kapellen aller großen Zelte, rund vierhundert Musiker, zu Füßen der Bavaria und spielen gemeinsam auf. Das Standkonzert ist der musikalische Höhepunkt und ein stiller Gegenpol zum Trubel in den Zelten, mit der Bronzefigur der Bavaria als Kulisse.

So, 27. Sept · 11:00
Der Rückblick

Die Oide Wiesn

Ein abgetrennter, ruhigerer Festteil mit historischen Fahrgeschäften, Museumszelt, Pferdebahn und Volksmusik, gegen kleinen Eintritt. Sie zeigt die Wiesn früherer Jahrzehnte und pausiert in den Jahren, in denen das Zentral-Landwirtschaftsfest den Platz braucht.

Ganze Laufzeit
Der Abschluss

Böllerschießen an der Bavaria

Zum Abschluss versammeln sich am letzten Sonntag die Gebirgsschützen und Böllerschützen zu Füßen der Bavaria zum traditionellen Abschlussböllern. Am Abend erlöschen die Lichter der Zelte, viele Wirte lassen Wunderkerzen auf den Tischen brennen. Dann ist die Wiesn für ein Jahr vorbei.

So, 4. Okt

Tracht, Bier und die Frage nach dem Echten

Zur Wiesn gehört die Tracht, und hier scheiden sich die Geister. Zwischen der historisch belegten Miesbacher Festtagstracht des Trachtenzugs und dem im Kaufhaus erstandenen Dirndl liegt ein weites Feld. Beides ist heute Teil des Fests. Wer verstehen will, was eine Tracht ursprünglich aussagte, findet das beim Brauch Tracht und Trachtenvereine. Und warum nur Münchner Bier auf die Wiesn darf, welche Rolle das Reinheitsgebot spielt und was eine echte Brotzeit ausmacht, steht im Thema Esskultur.

Besuch und Anfahrt

Hinkommen. Am besten ohne Auto. Mit der U4 oder U5 bis Theresienwiese, mit der U3 oder U6 bis Goetheplatz oder Poccistraße, oder mit S-Bahn und Tram bis Hackerbrücke. In den Abendstunden und am Wochenende sind die Bahnen voll, etwas Zeit einplanen. Parkplätze am Festgelände gibt es praktisch keine.

Zeiten. Die Zelte haben werktags meist ab 10 Uhr geöffnet, am Wochenende ab 9 Uhr, Betrieb bis 22:30, Ausschankende 22:30. Wer einen Tisch im Zelt sicher haben will, reserviert früh oder kommt am Vormittag. Nachmittags unter der Woche ist es am ruhigsten.

Mit Kindern. Dienstag ist traditionell Familientag mit ermäßigten Preisen an vielen Fahrgeschäften. Die Oide Wiesn ist der ruhigere, familienfreundlichere Teil.

Kleidung

Tracht und Trachtenvereine

Was die Festtagstracht des Trachtenzugs vom Kaufhaus-Dirndl unterscheidet und was sie ursprünglich verriet.

Lesen →
Am Tisch

Esskultur

Wiesnbier, Reinheitsgebot und die Brotzeit: warum nur Münchner Bier auf die Wiesn darf.

Lesen →
Belegt statt behauptet

Mythos gegen Fakt

Warum das Fest im September beginnt und trotzdem Oktoberfest heißt.

Lesen →

Quellen

  1. muenchen.de, offizielle Seiten der Landeshauptstadt München zum Oktoberfest, zu Programm, Einzug der Wiesnwirte und Trachten- und Schützenzug.
  2. Historisches Lexikon Bayerns, Artikel Oktoberfest, zu Ursprung 1810, Pferderennen und Zentral-Landwirtschaftsfest.
  3. oktoberfest.de, offizielles Wiesn-Portal, zu Anstich, Terminen und Ablauf.
  4. Landeshauptstadt München, Referat für Arbeit und Wirtschaft, als Veranstalterin.

Stand August 2026. Termine 2026 nach offiziellen Quellen, alle Angaben ohne Gewähr. Öffnungs- und Programmzeiten können sich kurzfristig ändern.