Wer vom Trubel der großen Zelte genug hat, geht nach Süden. Hinter einem Zaun, gegen ein paar Euro Eintritt, liegt die Oide Wiesn: ein abgezäunter Festteil auf gut dreieinhalb Hektar, in dem sich alles eine Spur langsamer dreht. Nostalgische Fahrgeschäfte, ein Museumszelt, das Velodrom und Bierzelte mit echter Volksmusik machen aus dem größten Volksfest der Welt für ein paar Schritte wieder ein Volksfest im Wortsinn. Genau diesen Teil erzählt diese Seite.
Der belegte Kern
Die Oide Wiesn ist ein eigens abgetrennter Bereich im südlichen Teil der Theresienwiese, rund dreieinhalb Hektar groß. Sie ist der ruhigere, bewusst traditionsbetonte Gegenentwurf zur lauten Hauptwiesn. Statt Fahrgeschäften mit Höchstgeschwindigkeit und Partymusik gibt es liebevoll erhaltene Klassiker, Bierzelte mit Blasmusik und Volkssängern sowie ein Museumszelt zur Geschichte des Fests.
Anders als der Rest des Oktoberfests kostet die Oide Wiesn Eintritt, allerdings nur einen kleinen Betrag. Zuletzt waren es rund 4 Euro für Besucher ab 15 Jahren, Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre kommen frei hinein, und am Abend ab 21 Uhr ist der Zugang für alle kostenlos. Die einzelnen Fahrten kosten je einen geringen Aufpreis. Der kleine Eintritt hält den Bereich ruhiger und finanziert den Erhalt der historischen Fahrgeschäfte mit.
Herkunft: das Jubiläum von 2010
Die Oide Wiesn hat einen klaren Anfang. 2010 feierte das Oktoberfest sein 200-jähriges Bestehen. Zu diesem Jubiläum richtete die Stadt im Süden der Theresienwiese eine Historische Wiesn ein, die an das Fest vergangener Jahrzehnte erinnern sollte, mit alten Karussells, einer Pferderennbahn nach dem Vorbild von 1810 und einem Festzelt für Tradition und Volksmusik.
Der Zuspruch war so groß, dass die Stadt den Bereich behielt. Ab 2011 kehrte er in leicht veränderter Form als fester Teil des Oktoberfests wieder und bekam bald den Namen Oide Wiesn, bairisch für Alte Wiesn. Aus dem einmaligen Jubiläumsprojekt wurde eine dauerhafte Einrichtung.
Die Oide Wiesn ist der Versuch, ein Fest sich selbst erklären zu lassen: nicht durch Schilder, sondern dadurch, dass man die alten Fahrgeschäfte wieder laufen lässt.
Warum sie manches Jahr aussetzt
Die Oide Wiesn findet nicht jedes Jahr statt. Ihren Platz im Süden der Theresienwiese teilt sie sich mit dem Zentral-Landwirtschaftsfest, der zweiten historischen Wurzel des Oktoberfests, das ebenfalls bis 1811 zurückreicht. In den Jahren, in denen dieses große Landwirtschaftsfest die Fläche belegt, pausiert die Oide Wiesn. Das Landwirtschaftsfest kehrt etwa alle vier Jahre wieder, sodass die Oide Wiesn in einem festen Rhythmus einmal aussetzt. Wer sie besuchen will, prüft also vorher, ob sie im jeweiligen Jahr überhaupt aufgebaut wird.
Mythos-Check
Oft heißt es, die Oide Wiesn sei eine alte, gewachsene Tradition aus der Frühzeit des Fests. Das stimmt so nicht. Der Bereich selbst ist jung, er entstand erst 2010. Alt sind seine Fahrgeschäfte und die Idee dahinter, nicht die Einrichtung. Die Oide Wiesn ist also keine überlieferte Tradition, sondern eine bewusst gestaltete Erinnerung an eine. Wie sich solcher Kern von der Legende trennen lässt, zeigt das Thema Mythos gegen Fakt.