Brauchtum MünchenLebendige Tradition
Wiesn-Auftakt · Schottenhamel

Der Anstich und O'zapft is

Zwei Schläge, ein Ruf, zwölf Böllerschüsse: In wenigen Sekunden wird aus einem gebauten Festplatz das größte Volksfest der Welt. Der Anstich ist das Startsignal der Wiesn und ein Ritual mit fester Ordnung.

TerminSa, 19. Sept 2026
Uhrzeit12:00 Uhr
OrtSchottenhamel-Zelt
Seit1950

Punkt zwölf am ersten Wiesn-Samstag hält eine ganze Stadt kurz den Atem an. Im Schottenhamel-Festzelt greift der Münchner Oberbürgermeister zum Holzhammer, treibt den Zapfhahn ins erste Fass und ruft O'zapft is. Erst dieser eine Anstich gibt den Ausschank auf dem ganzen Festgelände frei. Kein Bierpreis, keine Attraktion, kein Zelt zählt vorher. Der Anstich ist der Moment, in dem das Fest beginnt.

Der Ablauf, Schritt für Schritt

Um Punkt 12 Uhr sticht der amtierende Oberbürgermeister im Schottenhamel-Zelt das erste Fass an, im Idealfall mit möglichst wenigen Schlägen. Sitzt der Zapfhahn und läuft das Bier, ruft er O'zapft is, meist mit dem Zusatz Auf eine friedliche Wiesn. Dann fallen vor der Bavaria zwölf Böllerschüsse. Sie sind das Signal an alle anderen Festzelte, dass nun ausgeschenkt werden darf. Vor dem Anstich bleibt jeder Krug leer, das ist die eiserne Regel des Auftakts.

Die erste gezapfte Maß überreicht der Oberbürgermeister traditionell dem bayerischen Ministerpräsidenten. Diese Geste ist keine uralte Sitte, sondern geht auf das Jahr 1980 zurück, als Ministerpräsident Franz Josef Strauß sie einführte. Angezapft wird seit 1952 das Bier der Spatenbrauerei, deren Zelt der Wirt Schottenhamel bespielt.

Der Anstich verwandelt Vorbereitung in Fest. Bis zum letzten Schlag ist die Wiesn nur ein Platz voller Zelte, danach ist sie die Wiesn.

Die Geschichte des Anstichs

Der Anstich in seiner heutigen Form ist jünger als das Fest selbst. Erst am 16. September 1950 führte Oberbürgermeister Thomas Wimmer den ersten offiziellen Fassanstich durch und eröffnete damit die Wiesn. Wimmer widmete den ersten Krug dem Oktoberfest und der Stadt München. Der Auftakt geriet allerdings mühsam: Der Oberbürgermeister brauchte 17 Schläge, bis das Bier floss. Seither ist der Anstich Sache des amtierenden Stadtoberhaupts, und seither wird mitgezählt.

Aus dieser ersten, holprigen Vorstellung ist ein fester Termin geworden, den ganz München und viele Kameras verfolgen. Das Schottenhamel-Zelt gilt seither als das Anstichzelt der Wiesn, in dem sich am Vormittag des ersten Samstags Politik, Prominenz und Presse versammeln.

Der Schläge-Rekord als Running Gag

Weil beim allerersten Mal gleich 17 Schläge nötig waren, wurde die Zahl der Schläge schnell zum sportlichen Maßstab. Je weniger, desto besser. Der Bestwert liegt bei zwei Schlägen und wird von den früheren Oberbürgermeistern Christian Ude und Dieter Reiter gehalten. Ein einzelner Schlag ist zwar denkbar, wäre aber ein kleines Wunder. Jedes Jahr fiebert die Menge mit, und die Zahl auf der Anzeigetafel ist längst ein liebevoll gepflegter Running Gag der Wiesn.

Mythos-Check

Gern wird erzählt, der Anstich sei eine jahrhundertealte Tradition, die bis zur Gründung 1810 zurückreiche. Das stimmt nicht. Der offizielle Anstich durch den Oberbürgermeister wurde erst 1950 eingeführt, das Fest selbst ist rund hundertvierzig Jahre älter. Ähnlich jung ist die erste Maß an den Ministerpräsidenten, eine Sitte von 1980. Wie sich belegter Kern von schöner Legende trennen lässt, zeigt das Thema Mythos gegen Fakt.

Die Bausteine

Das Ritual im Detail

Der Ort

Das Schottenhamel-Zelt

Der Anstich findet jedes Jahr im Schottenhamel-Festzelt statt, dem traditionellen Anstichzelt der Wiesn. Hier versammeln sich am Vormittag des ersten Samstags der Oberbürgermeister, der Ministerpräsident, Ehrengäste und die Presse. Ausgeschenkt wird seit 1952 das Bier der Spatenbrauerei.

Sa, 19. Sept · vormittags
Der Anstich

Das erste Fass

Um Punkt 12 Uhr treibt der Oberbürgermeister mit dem Holzhammer den Zapfhahn ins erste Fass, im Idealfall mit möglichst wenigen Schlägen. Der Bestwert von zwei Schlägen wird von Christian Ude und Dieter Reiter gehalten. Erst wenn das Bier läuft, ist die Wiesn eröffnet.

Sa, 19. Sept · 12:00
Der Ruf

O'zapft is

Sobald der Hahn sitzt, ruft der Oberbürgermeister O'zapft is, bairisch für Es ist angezapft, meist ergänzt um Auf eine friedliche Wiesn. Der Ruf ist das offizielle Startsignal des Fests und gehört seit 1950 fest zum Anstich.

im Moment des Anstichs
Das Signal

Zwölf Böllerschüsse

Direkt nach dem Ruf fallen vor der Bavaria zwölf Böllerschüsse. Sie melden allen anderen Festzelten, dass der Ausschank nun freigegeben ist. Erst mit diesem Signal beginnt auf dem gesamten Festgelände das Zapfen und Servieren.

unmittelbar danach
Die Ehrung

Die erste Maß

Die erste gezapfte Maß überreicht der Oberbürgermeister dem bayerischen Ministerpräsidenten. Diese Geste ist keine alte Sitte, sondern geht auf das Jahr 1980 zurück, als Ministerpräsident Franz Josef Strauß sie begründete.

nach dem Anstich
Der Ursprung

Wimmer und die 17 Schläge

Der erste offizielle Anstich fand am 16. September 1950 durch Oberbürgermeister Thomas Wimmer statt. Er brauchte 17 Schläge, bis das Bier floss. Dieser holprige Auftakt begründete zugleich die Tradition und den Wettstreit um möglichst wenige Schläge.

seit 1950

Warum der Anstich mehr ist als ein Fototermin

Der Anstich wirkt wie eine kleine Show, doch er hat eine handfeste Funktion. Er ordnet den Beginn. Ohne ein gemeinsames Startsignal würde jedes Zelt für sich anzapfen, der Auftakt zerfiele. Der eine Anstich im Schottenhamel und die zwölf Böllerschüsse binden vierzehn große Zelte und den ganzen Platz an einen einzigen Moment. Genau das macht ihn zum Brauch und nicht bloß zur Zeremonie.

Der Anstich steht am Anfang einer ganzen Kette von Wiesn-Ritualen. Ihm voraus geht am Vormittag der Einzug der Wiesnwirte, der die Wirtsfamilien in ihre Zelte führt. Wie sich der Anstich in das gesamte Brauchtum des Fests einfügt, zeigt die Übersicht zum Oktoberfest. Und warum überhaupt nur Münchner Bier nach dem Reinheitsgebot in die Krüge darf, steht im Thema Esskultur.

Anschauen und Miterleben

Im Zelt. Wer den Anstich live im Schottenhamel-Zelt sehen will, braucht viel Vorlauf. Die Plätze sind begehrt, das Zelt füllt sich schon am frühen Vormittag. Ein Tischplatz am ersten Samstag ist ohne Reservierung kaum zu bekommen.

Draußen und daheim. Der Anstich wird jedes Jahr live im Fernsehen und im Netz übertragen. Viele verfolgen ihn auf Großleinwänden oder unterwegs. Der Ruf O'zapft is und die zwölf Böllerschüsse sind auch außerhalb des Zelts gut zu hören.

Danach. Sobald die Böller verklungen sind, öffnen alle Zelte den Ausschank. Wer den ersten Samstag ruhiger angehen will, kommt am frühen Nachmittag oder weicht auf die späteren Wiesn-Tage aus.

Die Übersicht

Das Oktoberfest

Einzug, Anstich, Trachtenzug und Standkonzert: das ganze Brauchtum der Wiesn und ihr belegter Kern.

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Der Auftakt

Einzug der Wiesnwirte

Der festliche Zug, der die Wirtsfamilien in ihre Zelte führt, kurz bevor das erste Fass angeschlagen wird.

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Am Tisch

Esskultur

Wiesnbier, Reinheitsgebot und die Brotzeit: warum nur Münchner Bier in die Krüge darf.

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Quellen

  1. muenchen.de, offizielle Seiten der Landeshauptstadt München zum Anstich, zu Ablauf, Uhrzeit, Böllerschüssen und Schläge-Rekord.
  2. Wikipedia, Artikel O'zapft is!, zu Bedeutung, Herkunft der Tradition seit 1950 und der ersten Maß an den Ministerpräsidenten seit 1980.
  3. Festhalle Schottenhamel, zur Rolle des Zelts als Anstichzelt und zum Spatenbräu-Ausschank.
  4. oktoberfest-tv.de, Wiesn-Portal, zum Ablauf des Anstichs und zur Geschichte um Thomas Wimmer 1950.

Stand August 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.