Brauchtum MünchenLebendige Tradition
Oktoberfest · Eröffnung

Einzug der Wiesnwirte

Bevor der erste Krug fließt, zieht die ganze Wiesn einmal durch die Stadt: geschmückte Kutschen, Prunkwagen der sechs Brauereien, schwere Prachtgespanne und Kapellen. Der Einzug eröffnet das Fest, ehe im Schottenhamel-Zelt angezapft wird.

Termin 2026Sa, 19. September
Zeitab 10:45 Uhr
OrtSonnenstraße bis Wiesn
EintrittFrei

Am ersten Samstag der Wiesn gehört der Vormittag den Wirten. Lange bevor um zwölf Uhr das erste Fass angestochen wird, formiert sich rund um die Sonnenstraße ein Zug aus festlich geschmückten Kutschen, hoch beladenen Bierwagen und blank geputzten Prachtgespannen. Gegen 10:45 Uhr setzt er sich in Bewegung, an der Spitze das Münchner Kindl hoch zu Ross. Der Einzug der Wiesnwirte und Brauereien ist das erste große Bild des Oktoberfests, und eines seiner ältesten Rituale.

Was an diesem Vormittag geschieht

Der Einzug ist kein bloßer Festumzug, sondern die Überführung der Wirte in ihre Zelte. Jede der sechs Münchner Traditionsbrauereien und jeder Festwirt fährt mit eigenem Gespann und eigener Kapelle zur Theresienwiese. Die Wirtsfamilien sitzen auf den geschmückten Kutschen, die Bedienungen ziehen in Tracht mit, dazwischen die Prunkwagen der Brauereien mit ihren Bierfässern. Rund 1000 Menschen gehören zum Zug, dazu die schweren Kaltblüter, die die Wagen ziehen.

Die Aufstellung liegt zwischen Sendlinger Tor und Stachus an der Sonnenstraße. Von dort führt der Weg über die Schwanthalerstraße und den Bavariaring auf die Theresienwiese und in die Wirtsbudenstraße. Gegen 11:30 Uhr sind die Wirte an ihren Zelten angekommen, gerade rechtzeitig, bevor der Oberbürgermeister im Schottenhamel-Zelt zum Hammer greift. An der Spitze reitet das Münchner Kindl, ihm folgt der Oberbürgermeister in der Kutsche der Wirtsfamilie Schottenhamel.

Herkunft: eine Reklamefahrt von 1879

Der Ursprung des Einzugs ist eine Werbeidee. 1879 fuhr der Münchner Wirt und Kraftmensch Hans Steyrer mit einem festlich geschmückten Viergespann zu seiner Bierbude auf der Wiesn, um Aufmerksamkeit für seinen Ausschank zu erregen. Die Rechnung ging auf, und andere Wirte zogen nach. 1894 brachte der Brauer Georg Pschorr das reich verzierte, klingelnde Zaumzeug nach Wiener Vorbild nach München, das die Prachtgespanne bis heute prägt.

Ein gemeinsamer Zug mehrerer Wirte und Brauereien ist erstmals für das Jahr 1925 belegt, damals mit Löwen-, Pschorr- und Thomasbräu. In den 1930er Jahren wurde die Teilnahme verbindlich, seither eröffnet der Einzug das Fest offiziell. Die sechsspännigen Gespanne, die heute selbstverständlich wirken, gehen auf 1956 zurück, als Wiesnwirt Xaver Heilmannseder erstmals mit sechs Pferden auffuhr und die Brauereien nachzogen.

Der Einzug erzählt die Wiesn im Kleinen: erst die Werbefahrt eines einzelnen Wirts, dann der geordnete Zug einer ganzen Zunft, am Ende ein Brauch, den die Stadt jedes Jahr erwartet.

Zwei Umzüge, nicht zu verwechseln

Der Einzug der Wiesnwirte am ersten Samstag wird gern mit dem großen Trachten- und Schützenzug am ersten Sonntag verwechselt. Beide organisiert der Festring München, doch sie sind verschieden. Der Wirteeinzug ist der kürzere Zug der Festwirte und Brauereien zur Eröffnung. Der Trachten- und Schützenzug am Tag darauf ist mit rund neuntausend Teilnehmern über sieben Kilometer der weit größere, historische Umzug. Wer die Wiesn von Anfang an erleben will, sieht am Samstag den Einzug und am Sonntag den Trachtenzug.

Mythos-Check

Oft heißt es, den Einzug habe es schon immer gegeben oder er gehe auf das erste Oktoberfest von 1810 zurück. Das stimmt nicht. Der Brauch beginnt 1879 als Reklamefahrt eines einzelnen Wirts, wird erst 1925 als gemeinsamer Zug greifbar und in den 1930er Jahren zur Pflicht. Er ist also gut ein Jahrhundert jünger als das Fest selbst. Wie sich solcher Kern von der Legende trennen lässt, zeigt das Thema Mythos gegen Fakt.

Der Zug im Detail

Wer und was mitzieht

An der Spitze

Das Münchner Kindl

Den Zug führt das Münchner Kindl an, die junge Frau im Mönchsgewand, hoch zu Ross. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und gibt dem Einzug sein erstes Bild. Direkt hinter ihr fährt der Oberbürgermeister in der Kutsche der Wirtsfamilie Schottenhamel.

Sa, 19. Sept · 10:45
Die Wirte

Wirtsfamilien und Bedienungen

Auf den geschmückten Kutschen sitzen die Familien der Festwirte, umgeben von ihren Bedienungen in Tracht. Jedes große Zelt zieht mit eigenem Gespann und eigener Kapelle mit. Der Zug überführt sie feierlich in ihre Zelte, wo sie das Fest empfangen.

Rund 1000 Mitwirkende
Die Brauereien

Prunkwagen der sechs Brauereien

Die sechs Münchner Traditionsbrauereien fahren mit ihren reich verzierten Prunkwagen auf, hoch beladen mit Bierfässern. Das klingelnde Zaumzeug und die farbigen Wappen machen sie zu den prächtigsten Bildern des Zugs.

Sechs Brauereien
Die Pferde

Prachtgespanne aus Kaltblütern

Schwere Kaltblüter, oft im Sechsergespann, ziehen die tonnenschweren Wagen. Die Tradition der Sechsspänner geht auf 1956 zurück. Blank geputztes Geschirr, geflochtene Mähnen und Schmuckdecken machen die Gespanne zum Publikumsliebling.

Sechsspänner seit 1956
Der Klang

Blaskapellen

Zwischen den Gespannen marschieren die Blaskapellen der Zelte und Trachtenvereine. Sie geben dem Zug den Takt und tragen die Wiesnmusik schon durch die Straßen, bevor sie in den Zelten aufspielt.

Zahlreiche Kapellen
Das Ziel

Einzug in die Wirtsbudenstraße

Über die Schwanthalerstraße und den Bavariaring erreicht der Zug gegen 11:30 Uhr die Theresienwiese und die Wirtsbudenstraße. Dort ziehen die Wirte in ihre Zelte ein. Kurz darauf, um zwölf Uhr, folgt der Anstich.

Ankunft gegen 11:30

Der Auftakt und was folgt

Der Einzug ist der Vorhang, der Anstich ist die erste Szene. Kaum sind die Wirte in ihren Zelten, sticht der Oberbürgermeister um zwölf Uhr im Schottenhamel-Zelt das erste Fass an. Was es mit dem Ruf O'zapft is, den zwei Schlägen und den zwölf Böllerschüssen auf sich hat, steht ausführlich beim Brauch Der Anstich mit O'zapft is. Beide Rituale gehören zusammen, sie machen den ersten Wiesn-Samstag aus.

Gute Plätze und Anfahrt

Wo zuschauen. Der Zug ist auf der ganzen Strecke frei zugänglich. Wer die Gespanne in Ruhe sehen will, stellt sich an die östliche Sonnenstraße oder an den Bavariaring. Am Einzug in die Wirtsbudenstraße ist es am dichtesten, dafür sieht man dort die Ankunft an den Zelten.

Hinkommen. Am besten ohne Auto. Für den Startbereich eignen sich Sendlinger Tor und Stachus, für das Ziel die U4 oder U5 bis Theresienwiese. Da an diesem Vormittag zugleich der Anstich lockt, sind die Bahnen früh voll, etwas Zeit einplanen.

Wann kommen. Die Plätze entlang der Strecke sind früh belegt. Wer gegen 10 Uhr da ist, findet noch eine gute Lücke. Nach dem Zug lohnt der Weg auf die Wiesn, um den Anstich mitzuerleben.

Das Fest

Das Oktoberfest

Der Überblick über die Wiesn: Ursprung 1810, der belegte Brauchtumskern und alle großen Rituale des Fests.

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Der Anstich

Der Anstich mit O'zapft is

Was direkt auf den Einzug folgt: das erste Fass, die zwei Schläge und der Ruf, der das Fest freigibt.

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Rund um die Wiesn

Orte des Brauchtums

Theresienwiese, Sonnenstraße und die Wege der Umzüge: die Schauplätze des Münchner Brauchtums im Überblick.

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Quellen

  1. muenchen.de, offizielle Seiten der Landeshauptstadt München zum Einzug der Wiesnwirte, zu Termin 2026, Route, Uhrzeit und Teilnehmerzahl.
  2. Festring München e.V., Veranstalter des Einzugs, zur Geschichte seit Hans Steyrer 1879, zum ersten gemeinsamen Zug 1925 und zu den Sechsspännern seit 1956.
  3. oktoberfest.de, offizielles Wiesn-Portal, zum Ablauf des Einzugs der Brauereien und Festwirte am ersten Samstag.
  4. Landeshauptstadt München, Referat für Arbeit und Wirtschaft, als Veranstalterin des Oktoberfests.

Stand August 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Startzeiten und Route können sich kurzfristig ändern.