Brauchtum MünchenLebendige Tradition
Wiesnmusik · Theresienwiese

Das Standkonzert der Wiesnkapellen

Einmal im Jahr verstummt der Wettstreit der Zelte. Am zweiten Wiesn-Sonntag treten die Kapellen aller großen Festzelte zu Füßen der Bavaria zusammen und spielen gemeinsam auf. Der ruhige Höhepunkt des Fests, ganz ohne Bierpreis.

Termin 2026So, 27. Sept
Beginn11:00 Uhr
OrtFuß der Bavaria
EintrittFrei

In den Zelten der Wiesn spielt jede Kapelle für sich, jede kämpft mit Blech und Trommel um die Stimmung an ihren Tischen. An einem einzigen Vormittag im Jahr endet dieser Wettstreit. Dann stellen sich die Musiker aller großen Zelte gemeinsam auf die grüne Wiese vor der Bavaria und spielen dieselben Märsche zur selben Zeit. Das Standkonzert ist der stille Gegenpol zum Trubel, ein Moment, in dem die Wiesn kurz innehält und nur noch zuhört.

Der belegte Kern

Das Standkonzert findet jedes Jahr am zweiten Sonntag des Oktoberfests statt, 2026 also am 27. September, und beginnt um 11 Uhr. Versammlungsort ist die weite Wiese am Fuß der Bavaria, unterhalb der Ruhmeshalle am westlichen Rand der Theresienwiese. Dort stellen sich die Kapellen aller großen Festzelte auf und musizieren gemeinsam, mehrere hundert Musiker in Tracht.

Gespielt werden bekannte Volkslieder, Wiesnmelodien und traditionelle Märsche. Das Dirigat übernehmen der Münchner Oberbürgermeister und wechselnde Persönlichkeiten, die sich um das Fest verdient gemacht haben. Zum Abschluss erklingt regelmäßig der Bayerische Defiliermarsch, dann die Bayernhymne, während Ballons über der Bavaria in den Himmel steigen. Der Eintritt ist frei, das Bayerische Fernsehen überträgt.

Herkunft: ein junger Brauch von 1985

Anders als der Trachtenzug oder der Anstich ist das gemeinsame Standkonzert kein Erbe des 19. Jahrhunderts. In seiner heutigen Form geht es auf das Jahr 1985 zurück. Willy Heide, damals Sprecher der Wiesnwirte, rief es zum 175. Oktoberfest und zu seinem Amtsantritt ins Leben. Seither hat sich der Vormittag an der Bavaria fest im Ablauf der Wiesn eingerichtet und gilt vielen als der eigentliche Herzschlag des Fests.

Die Idee, Blasmusik im Freien vor einem Denkmal aufzuführen, ist älter als 1985. Platz- und Standkonzerte gehörten im Bürgertum des 19. Jahrhunderts zum sonntäglichen Leben. Neu war die Verbindung mit der Wiesn: Erstmals traten hier die sonst konkurrierenden Zeltkapellen als ein Klangkörper zusammen, an einem gemeinsamen, symbolträchtigen Ort.

Für ein paar Takte ist die Wiesn nicht mehr ein Nebeneinander von vierzehn Zelten, sondern eine einzige Kapelle, die vor ihrer steinernen Schutzpatronin aufspielt.

Die Bavaria als Kulisse

Die Figur, zu deren Füßen gespielt wird, ist selbst ein Stück Münchner Geschichte. Die Bavaria ist eine über achtzehn Meter hohe Bronzestatue, entworfen von Ludwig Michael Schwanthaler und gegossen von Ferdinand von Miller, eingeweiht 1850. Sie verkörpert den Freistaat als weibliche Gestalt mit Schwert, Eichenkranz und Löwe und steht vor der Ruhmeshalle über der Theresienwiese. Als Wächterin über das Festgelände gibt sie dem Standkonzert seine unverwechselbare Kulisse.

Mythos-Check

Das Standkonzert wirkt uralt, wie ein Rest aus der Frühzeit der Wiesn. Belegt ist das Gegenteil: Das gemeinsame Konzert der Zeltkapellen an der Bavaria entstand erst 1985 auf Betreiben des Wirtesprechers Willy Heide. Es ist damit kein Erbe des 19. Jahrhunderts, sondern ein junger, bewusst gesetzter Brauch. Wie sich solcher Kern von der Legende trennen lässt, zeigt das Thema Mythos gegen Fakt.

Der Ablauf

Wie der Vormittag verläuft

Die Aufstellung

Die Kapellen sammeln sich

Ab dem späten Vormittag ziehen die Musiker aus den Zelten zur Wiese vor der Bavaria und stellen sich in Blöcken auf. Was an den übrigen Tagen getrennt spielt, steht nun Schulter an Schulter, in Tracht und mit geputztem Blech. Die Zuhörer breiten sich auf der Wiese und an den Stufen der Statue aus.

So, 27. Sept · ab 10:30
Das gemeinsame Spiel

Ein Klang aus vielen Zelten

Um 11 Uhr setzt das Konzert ein. Bekannte Volkslieder, Wiesnmelodien und Märsche erklingen, gespielt von den vereinten Kapellen aller großen Festzelte. Es ist der einzige Moment des Jahres, an dem die sonst konkurrierenden Musiker als ein einziger Klangkörper auftreten.

So, 27. Sept · 11:00
Das Dirigat

Der Oberbürgermeister am Pult

Traditionell dirigieren der Münchner Oberbürgermeister und wechselnde Ehrengäste, die sich um das Fest verdient gemacht haben, in Tracht. Dazwischen zeigen Trachten- und Volkstanzgruppen ihre Tänze. Der Bayerische Defiliermarsch gehört fest zum Programm.

im Programm
Der Abschluss

Bayernhymne und Ballons

Zum Ende stimmen alle Kapellen die Bayernhymne an, während vom Sockel der Bavaria Ballons aufsteigen. Dann kehren die Musiker in ihre Zelte zurück und der Wiesn-Alltag nimmt seinen Lauf. Wer nicht vor Ort ist, verfolgt das Konzert im Bayerischen Fernsehen.

gegen Mittag

Musik als Rückgrat der Wiesn

Das Standkonzert macht hörbar, was die Wiesn im Innersten zusammenhält: die Blasmusik. Ohne die Kapellen wäre das Fest ein Ausschank, mit ihnen ein Volksfest. Wie Musik und Tanz das bayerische Brauchtum über das Jahr tragen, von der Kirchweih bis zum Maibaum, steht im Thema Musik und Tanz. Und wie das Standkonzert in das größere Geflecht der Wiesn-Bräuche gehört, von Einzug und Anstich bis zum Trachtenzug, zeigt die Übersicht zum Oktoberfest.

Besuch und Anfahrt

Hinkommen. Am besten ohne Auto. Mit der U4 oder U5 bis Theresienwiese, mit der U3 oder U6 bis Goetheplatz oder Poccistraße, oder mit S-Bahn und Tram bis Hackerbrücke. Von den Bahnsteigen sind es nur wenige Minuten Fußweg bis zur Bavaria am westlichen Rand des Geländes.

Guter Platz. Die Fläche vor der Bavaria füllt sich rasch. Wer das Konzert gut sehen und hören will, ist deutlich vor 11 Uhr da. Von den Stufen unterhalb der Statue und vom leicht ansteigenden Gelände hat man den besten Blick auf die aufgestellten Kapellen.

Ringsum. Der Fuß der Bavaria und die Ruhmeshalle sind selbst einen Blick wert, ebenso die weiteren Schauplätze der Stadt. Wo Brauchtum in München seinen Ort hat, sammelt die Übersicht der Orte.

Das Fest

Das Oktoberfest

Einzug, Anstich, Trachtenzug, Standkonzert: die Wiesn als Bündel handfester Bräuche, ehrlich erzählt.

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Klang

Musik und Tanz

Blasmusik, Volkstanz und Schuhplattler als Rückgrat des bayerischen Brauchtums über das ganze Jahr.

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Schauplätze

Orte

Von der Theresienwiese bis zur Bavaria: wo das Brauchtum der Stadt seinen festen Ort hat.

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Quellen

  1. oktoberfest.de, offizielles Wiesn-Portal, zum Standkonzert der Wiesnkapellen, Termin, Ablauf und Dirigat.
  2. muenchen.de, offizielle Seiten der Landeshauptstadt München, zum Platzkonzert vor der Bavaria am zweiten Wiesn-Sonntag.
  3. bavarikon, Kulturportal des Freistaats Bayern, zum Ursprung 1985 und zum Wirtesprecher Willy Heide.
  4. Wikipedia, Artikel Bavaria (Statue), zu Schwanthaler, Ferdinand von Miller und der Einweihung 1850.

Stand August 2026. Termine 2026 nach offiziellen Quellen, alle Angaben ohne Gewähr. Programm- und Beginnzeiten können sich kurzfristig ändern.