- Der Schaefflertanz ist der Zunfttanz der Muenchner Fassmacher (Schaeffler).
- Aeltester urkundlicher Beleg: 1702. Seit 1760 Auffuehrung alle sieben Jahre.
- Zuletzt getanzt: Fasching 2026 (dazu eine Sonderauffuehrung im Mai 2022). Naechster Termin: 2033.
- Gespielt wird zur Faschingszeit, zwischen Dreikoenig und Faschingsdienstag.
- Die Pest-Legende von 1517 ist historisch nicht belegt und entstand vermutlich im 19. Jahrhundert.
- Heute in ueber 40 altbayerischen Orten gepflegt; Ursprungsort ist Muenchen.
Die Legende: 1517
Die Erzählung geht so: Nach einer verheerenden Pestepidemie im Jahr 1517 traute sich niemand mehr auf die Strassen. Da fassten sich die Schäffler – die Fassmacher der Stadt – ein Herz, zogen mit Musik und grünen Reifen auf die leeren Plätze und tanzten, bis die Münchner ihre Furcht vergassen und das Leben zurückkehrte. Eine perfekte Geschichte: Handwerkerstolz, Bürgersinn, Auferstehung der Stadt.
Mythos gegen Fakt
So schön die Legende ist – die Sterberegister zeigen für 1517 keine auffällige Pestwelle in München, und die Erzählung selbst taucht erst im 19. Jahrhundert auf. Was sich belegen lässt: Der Schäfflertanz ist erstmals 1702 urkundlich nachgewiesen und wird seit 1760 alle sieben Jahre aufgeführt.
Warum ausgerechnet sieben Jahre, weiss niemand sicher – vermutet werden die Sieben als Glückszahl oder eine obrigkeitliche Anordnung. Auch hier gilt, was diese Seiten grundsätzlich halten: Die Legende darf erzählt werden, solange sie als Legende gekennzeichnet ist. Der Brauch braucht die Pest von 1517 nicht, um bedeutend zu sein – drei Jahrhunderte belegter Kontinuität sind eindrucksvoller als jede Gründungssage.
Der Tanz und seine Figuren
Aufgeführt wird zur Faschingszeit, zwischen Dreikönig und Faschingsdienstag, auf Plätzen in München und Umgebung. Das Ensemble hat feste Rollen: die Tänzer mit ihren grünen Reifen, den Vortänzer, die Fassschläger, die den Takt auf das Fass trommeln, die Spassmacher – und als Kunststück die Reifenschwinger, die Holzreifen mit gefüllten Gläsern schwingen, ohne einen Tropfen zu verlieren. Die letzte Vorstellung der Saison wird traditionell nachts bei Fackelschein getanzt. Ursprünglich durften nur unverheiratete Schäfflergesellen mit einwandfreiem Leumund antreten; seit den 1960er Jahren stehen auch verheiratete und berufsfremde Tänzer im Ensemble – das Fassmacherhandwerk selbst ist rar geworden, der Tanz nicht.
Vom Zunftbrauch zum altbayerischen Erbe
Ab etwa 1830 trugen wandernde Schäfflergesellen den Tanz aus München hinaus; heute wird er in über 40 Orten Altbayerns gepflegt, jeweils im Sieben-Jahres-Rhythmus. Dass 2022 in München ausser der Reihe getanzt wurde – als Zeichen nach der Corona-Pandemie – passt dabei ins Bild: Ob 1517 oder 2022, die Erzählung vom Tanz, der die Stadt aus der Angst holt, ist offenbar zu stark, um sie nicht immer wieder wahr zu machen.
Quellen und Einordnung
Erstbeleg 1702, Sieben-Jahres-Rhythmus seit 1760, Rollen und Oeffnung des Ensembles seit den 1960er Jahren sowie der Quellenbefund zur Pest-Legende (keine auffaellige Sterblichkeit 1517, Legendenbildung im 19. Jahrhundert) nach der zusammenfassenden Darstellung der freien Enzyklopaedie Wikipedia, Artikel "Schaefflertanz" (abgerufen 19.07.2026), dort mit weiteren Nachweisen; Sonderauffuehrung Mai 2022 ebenda. Stand 19.07.2026.