- Palmbuschen: gebundener Strauss aus Weidenkaetzchen und Immergruen, geweiht am Palmsonntag.
- Osterbrunnen: mit Eiern und Girlanden geschmueckte Brunnen, von Palmsonntag bis ca. zwei Wochen nach Ostern.
- Herkunft Osterbrunnen: Fraenkische Schweiz - muendlich ab ca. 1909 (Aufsess), schriftlich belegt 1913 (Engelhardsberg).
- Einordnung: Der Osterbrunnen ist eine bewusste Brauchtums-Neuschoepfung des fruehen 20. Jahrhunderts, verbreitet seit den 1980er Jahren.
Der Palmbuschen
Am Palmsonntag, dem Auftakt der Karwoche, werden in Bayern keine Palmen geschwenkt, sondern Palmbuschen getragen: gebundene Sträusse aus Weidenkätzchen, Buchs und anderen immergrünen Zweigen, oft an einem Stab, geschmückt mit Bändern. In der Kirche geweiht, kommt der Buschen ins Haus – klassisch in den Herrgottswinkel – und soll Haus und Hof durch das Jahr schützen; früher steckte man Zweige davon auch in die Felder. Der Brauch ersetzt seit Jahrhunderten die Palmzweige des Einzugs in Jerusalem durch das, was im Frühjahr hierzulande grünt.
Der Osterbrunnen
Ab Palmsonntag verwandeln sich vielerorts die Dorfbrunnen: bemalte Eier zu Tausenden, Girlanden aus Fichtengrün, kunstvolle Kronen über dem Wasser. Das Herkunftsgebiet ist die Fränkische Schweiz – die berühmtesten Brunnen stehen bis heute dort, etwa in Heiligenstadt und Bieberbach. Von dort hat sich der Brauch seit den 1980er Jahren über Bayern und weite Teile Süd- und Mitteldeutschlands verbreitet; den Grössenrekord hält inzwischen das schwäbische Oberstadion mit rund 27.000 Eiern.
Mythos gegen Fakt: Wie alt ist der Osterbrunnen?
Der Osterbrunnen wird gern als uralter Quellkult gedeutet. Die Quellenlage sagt etwas anderes: Mündliche Überlieferung nennt Aufsess um 1909, der erste schriftliche Nachweis stammt von 1913 aus Engelhardsberg. Die Forschung wertet den Brauch als bewusste Neuschöpfung des frühen 20. Jahrhunderts.
Und genau das macht ihn interessant: Der Osterbrunnen beweist, dass Bräuche nicht alt sein müssen, um echt zu sein. Ein Brauch lebt davon, dass eine Gemeinschaft ihn trägt, wiederholt und weitergibt – nicht von seinem Geburtsjahr. Wer den Osterbrunnen deswegen abtut, müsste konsequenterweise auch den wiederbelebten Kocherlball abtun. Wir tun beides nicht: Wir erzählen, was belegt ist, und lassen den Brauch trotzdem gelten.
Was das Frühjahr sonst noch bringt
Rund um Ostern verdichtet sich der Brauchtumskalender: Osterfeuer in der Nacht zum Ostersonntag, die Speisenweihe am Ostermorgen mit Brot, Eiern und Geselchtem im Korb, und wenige Wochen später übernimmt schon der Maibaum das Kommando über die Dorfplätze – gefolgt vom Georgiritt um den Georgstag. Das Frühjahr ist die dichteste Brauchtumssaison des Jahres.
Quellen und Einordnung
Zur Geschichte des Osterbrunnens: freie Enzyklopaedie Wikipedia, Artikel "Osterbrunnen" (abgerufen 19.07.2026), dort mit Nachweisen zur Erstdatierung (Aufsess ca. 1909 muendlich, Engelhardsberg 1913 schriftlich) und zur Einordnung als Neuschoepfung; Rekordangabe Oberstadion (ca. 27.000 Eier, Stand 2014) ebenda. Palmbuschen nach volkskundlicher Standardliteratur zum bayerischen Kirchenjahr. Stand 19.07.2026.