Der Viktualienmarkt im Herzen der Altstadt ist kein historisches Schaustück, sondern ein Arbeitsplatz mit eigenem Brauchtum. Seit 1807 besteht er an dieser Stelle, nachdem der städtische Lebensmittelmarkt vom Marienplatz hierher verlegt wurde. Drei gelebte Bräuche machen ihn über den Handel hinaus zu einem Ort der Stadtkultur.
Der Maibaum
Der Maibaum des Viktualienmarkts ist einer der bekanntesten der Stadt. Seine Tafeln zeigen nicht Zunftzeichen irgendeines Dorfes, sondern das Handwerk und die Geschichte des Marktes selbst, vom Brauwesen bis zur Marktfrau. Er ist damit ein öffentliches Selbstporträt mitten in der Altstadt und unterliegt denselben ungeschriebenen Regeln des Stehlens und Auslösens wie jeder andere Maibaum.
Der Tanz der Marktfrauen
Der eindrücklichste Brauch ist der Tanz der Marktfrauen am Faschingsdienstag. Die Standlfrauen verkleiden sich aufwendig und tanzen einstudierte Choreografien zwischen den eigenen Ständen, bevor um Punkt zwölf Uhr der Fasching offiziell endet. Es ist ein Brauch der Arbeitenden, nicht der Zuschauer: getanzt wird von denen, die sonst hinter dem Stand stehen, am eigenen Arbeitsplatz, einmal im Jahr.
Am Faschingsdienstag gehört der Markt für ein paar Stunden den Marktfrauen. Danach wird wieder verkauft.
Standkonzerte und der Brunnen
Hinzu kommen die Standkonzerte, bei denen Volksmusik direkt zwischen den Buden gespielt wird, und der Brunnen mit den Büsten Münchner Volkssänger und Komiker, der den Markt mit der Tradition des bayerischen Humors verbindet. Zusammen ergeben diese Elemente einen Ort, an dem Brauchtum nicht aufführt, sondern nebenbei passiert.
Der Viktualienmarkt zeigt Brauchtum in seiner unaufgeregtesten Form. Es braucht hier keine Bühne, weil der Markt selbst die Bühne ist. Genau das macht ihn zu einem der ehrlichsten Brauchtumsorte der Stadt.
Maibaum und Maibaumstehlen
Der größere Rahmen des Maibaum-Brauchs in Stadt und Land.
Lesen →Quellen und Einordnung
- Markthallen München, offizielle Seite zum Viktualienmarkt und seinen Bräuchen.
- Stadtarchiv München zur Verlegung des Marktes von 1807.
Stand Mai 2026. Marktfrauentanz und Maibaum sind feste Bestandteile des Marktjahres.