Das Platteln
Der namensgebende Schlag: die flachen Hände treffen im Takt Schuhsohlen, Oberschenkel und Knie. Dazu kommen Sprünge, Kniebeugen und Drehungen. Sauberkeit und Genauigkeit des Schlags entscheiden über den Eindruck, nicht bloße Lautstärke.
Ein Tanz, den man hört, bevor man ihn sieht: das rhythmische Schlagen der flachen Hände auf Schuhsohlen, Oberschenkel und Knie. Im Kern ist der Schuhplattler ein Werbetanz, geformt und bewahrt von den Trachtenvereinen des Oberlandes.
Der Schuhplattler ist der wohl bekannteste Tanz der Alpen und zugleich einer der am meisten missverstandenen. Man kennt ihn als lautes, akrobatisches Männerstück auf jeder Bierzeltbühne, doch dahinter steht ein altes Prinzip: ein Bursche wirbt um ein Mädchen, indem er Kraft, Takt und Geschick vorführt. Wie aus diesem Werbetanz der eingeübte Gruppentanz der Trachtenvereine wurde und wie alt er wirklich ist, erzählt diese Seite, ehrlich und belegt.
Der Schuhplattler ist ein alpenländischer Tanz, bei dem die Tänzer im Takt der Musik mit den flachen Händen rhythmisch auf ihre Schuhsohlen, die Oberschenkel und die Knie schlagen. Aus diesem Schlagen, dem Platteln, kommt der Name. Dazu treten Sprünge, Kniebeugen und schnelle Drehungen. Traditionell ist es ein Männertanz, häufig getanzt zum Ländler oder zu einer langsamen Polka. Es gibt keine eine feste Fassung, sondern eine ganze Familie von Plattlern mit regionalen Eigenheiten. Der Bayerische Trachtenverband zählt etwa 150 verschiedene Schuhplattlertänze.
Ursprünglich war der Schuhplattler ein Einzelpaartanz. Der Bursche umtanzte, umsprang und umwarb das Mädchen, das sich meist ruhiger drehend am Platz hielt. Das Platteln war die Sprache dieser Werbung: Wer den kräftigsten, saubersten Schlag und den höchsten Sprung zeigte, machte den besten Eindruck. In dieser Rolle als Balz- und Werbetanz liegt der eigentliche Ursprung, nicht in der Bühnenschau.
Der Schuhplattler ist im Ostalpenraum heimisch, vor allem in Tirol, Südtirol, im Salzburgischen, in Oberbayern und in Kärnten. Seine Wurzeln liegen bei einfachen Leuten, bei Bauern, Jägern, Holzknechten und Sennen. Wie lange auf Schenkel und Schuhe geschlagen wird, lässt sich nicht genau sagen, denn ein Tanz der einfachen Leute wurde lange nicht aufgeschrieben.
Ein früher schriftlicher Hinweis stammt vom irischen Reiseschriftsteller William A. Baillie-Grohman, der 1877 das Platteln in den Tiroler Bergen beschrieb. Bezeichnend ist, was er berichtet: Damals wurden einzelne Plattlerfiguren in Walzer und Polkas eingestreut, es gab noch keinen festen, durchkomponierten Tanz. Der Schuhplattler als geordnete Abfolge, wie man ihn heute kennt, ist also jünger als der Schlag selbst.
Der Schlag auf den Schuh ist alt, der eingeübte Schuhplattler ist jung. Beides zu trennen, ist der Anfang jedes ehrlichen Blicks auf diesen Tanz.
Aus dem freien Werbetanz wurde im 19. Jahrhundert ein geübtes Schaustück. In Miesbach bestand seit 1859 eine Schuhplattlergesellschaft, und ab etwa der Jahrhundertmitte setzte eine Vereinheitlichung der Bewegungsabläufe ein. Das sogenannte Gruppenplatteln kam auf, bei dem mehrere oder viele Paare denselben Ablauf gleichzeitig zeigen.
Den entscheidenden Schub gaben die Trachtenvereine. Als erster Gebirgstrachten-Erhaltungsverein gilt der 1883 in Bayrischzell vom Lehrer Josef Vogl gegründete Verein zur Erhaltung der Volkstrachten im Leitzachtal. In rascher Folge entstanden weitere Vereine, die neben der Tracht auch den Schuhplattler pflegten, einübten und in feste Formen brachten. So wurde aus einem regional gewachsenen Brauch ein bewusst gepflegtes und weitergegebenes Kulturgut.
Oft heißt es, der Schuhplattler sei rund 1050 Jahre alt. Das beruht auf einem Missverständnis. Als früher Beleg wird gern das lateinische Versepos Ruodlieb genannt, das um das Jahr 1050 entstand. Dort ist zwar von Tanz die Rede, aber gerade nicht vom Schlagen auf Schenkel und Schuhe. Die 1050 ist eine Jahreszahl, kein Lebensalter. Belegbar ist etwas anderes: Der Schlag auf den Schuh ist ein alter volkstümlicher Zug, der geregelte, eingeübte Schuhplattler dagegen eine Ausformung des 19. Jahrhunderts. Wie sich solcher Kern von der Legende trennen lässt, zeigt das Thema Mythos gegen Fakt.
Der namensgebende Schlag: die flachen Hände treffen im Takt Schuhsohlen, Oberschenkel und Knie. Dazu kommen Sprünge, Kniebeugen und Drehungen. Sauberkeit und Genauigkeit des Schlags entscheiden über den Eindruck, nicht bloße Lautstärke.
Als Einzelpaartanz umwarb der Bursche das Mädchen. Eine verbreitete, im Kern legendenhafte Deutung sieht darin ein Nachahmen des balzenden Auerhahns. Beleg dafür fehlt, die Werbefunktion selbst ist jedoch gut nachvollziehbar.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts vereinheitlichten sich die Abläufe. Viele Paare zeigen nun denselben Tanz gleichzeitig. Aus dem freien Werben wurde ein geübtes, vorführbares Schaustück mehrerer Reihen.
Die Gebirgstrachten-Erhaltungsvereine, ab 1883 in Bayrischzell beginnend, nahmen sich des Tanzes an. Sie übten ihn ein, gaben ihn weiter und banden ihn fest an Tracht und Vereinsleben.
1890 entstand in Rosenheim der Gauverband I als erste Dachorganisation der Trachtenvereine. 1925 folgten die Vereinigten bayerischen Trachtenverbände, aus denen der heutige Bayerische Trachtenverband hervorging.
Beim Preisplatteln bewerten Preisrichter das exakte, saubere Platteln und die vollständige, korrekte Tracht. Es gibt Vereins-, Gebiets- und Gaupreisplatteln. Das erste Verbandspreisplattln fand 1906 in Endorf statt.
Neben dem eigentlichen Schuhplattler haben sich verwandte und abgewandelte Formen entwickelt. Die bekannteste ist der Watschentanz, eine humoristische Abart, bei der die Tänzer nicht nur auf die eigenen Schuhe und Schenkel schlagen, sondern sich gegenseitig scheinbar Watschen, also Ohrfeigen, austeilen. Der Watschentanz entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und war von Anfang an vor allem ein Schaustück für Gäste, weniger gewachsener Brauch. Daneben stehen zahlreiche benannte Einzelplattler mit eigenen Figurenfolgen, die von Verein zu Verein und von Tal zu Tal wechseln. Wie Musik und Tanz im Brauchtum zusammenspielen, ordnet das Thema Musik und Tanz.
Der Schuhplattler ist ohne die Tracht kaum zu denken. Die kurze Lederhose ist nicht nur Kleidung, sie ist Voraussetzung: Auf nackten Knien und blank geschlagenem Leder klingt der Schlag anders als auf Stoff. Beim Preisplatteln zählt die Tracht darum ebenso wie der Tanz. Was eine Tracht ursprünglich aussagte und wie Festtags- und Alltagstracht sich unterscheiden, erklärt das Thema Trachtenkunde. Und dass Brauchtum lebt, wenn es getanzt und nicht nur bestaunt wird, zeigt sich bei geselligen Anlässen wie dem Kocherlball im Englischen Garten.
Im Verein. Getragen wird der Schuhplattler bis heute von den Trachten- und Gebirgstrachten-Erhaltungsvereinen. Viele bieten offene Übungsabende, bei denen Gäste zuschauen und Nachwuchs mittanzen kann.
Beim Preisplatteln. Die Gau- und Gebietspreisplatteln der Trachtenvereine sind öffentliche Veranstaltungen und der beste Ort, um sauberes Platteln in vollständiger Tracht zu sehen, ernsthaft und ohne Bühnenkitsch.
Bei Festen. Trachtenumzüge, Vereinsjubiläen und größere Volksfeste zeigen den Schuhplattler in seinem angestammten Rahmen. Das Bierzelt zeigt ihn oft als Schaustück, den gewachsenen Brauch findet man eher beim Verein.
Wie Ländler, Polka und Zwiefacher den Takt geben und der Schuhplattler in die Volksmusik eingebettet ist.
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Lesen →Stand August 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.