Brauchtum MünchenLebendige Tradition
Startseite / Themen / Eisstockschießen
Wirtshaus · Winter

Eisstockschießen: Der Wintersport, der ein Brauch blieb

Eisstockschießen ist Bayerns Antwort auf Curling: Ein Stock aus Holz oder Kunststoff mit Stingl (Griff) wird über das Eis Richtung Daube geschossen, gespielt wird in Mannschaften - den Moarschaften. Was heute mit Weltmeisterschaften betrieben wird, war jahrhundertelang das Winterversammlungswesen der Dörfer: Sobald die Weiher trugen, traf sich das Dorf am Eis.

Kurz gefasst
  • Prinzip: Eisstöcke möglichst nah an die Zielscheibe (Daube) schießen - ähnlich Curling, aber ohne Wischen.
  • Mannschaft: die Moarschaft, angeführt vom Moar.
  • Historische Wurzeln im Alpenraum, bildlich belegt seit dem Spätmittelalter (Winterbilder mit Eisspielen).
  • Heute ganzjährig: im Winter auf Eis, im Sommer auf Asphaltbahnen; organisiert bis zu Weltmeisterschaften.

Vom Dorfweiher zur Asphaltbahn

Gefrorene Weiher waren der erste Sportplatz des bayerischen Winters: Eisspiele mit gleitenden Hölzern sind im Alpenraum seit Jahrhunderten belegt, schon auf spätmittelalterlichen Winterdarstellungen schieben Menschen Stöcke übers Eis. Aus dem Zeitvertreib wurde ein geregelter Sport mit Vereinen, Bahnen und internationalen Turnieren - und weil bayerische Winter unzuverlässig sind, wanderte das Spiel auf Asphalt: Sommerstockschießen gehört heute fest zum Vereinsleben.

Wie gespielt wird

Zwei Moarschaften mit je vier Schützen schießen abwechselnd ihre Stöcke Richtung Daube; die Mannschaft, deren Stöcke am Ende näher liegen, macht die Punkte. Der Moar - der Mannschaftsführer - schießt zuerst und bestimmt die Taktik: Maß schießen (nah an die Daube) oder den gegnerischen Stock wegschießen. Dazu kommen Ziel- und Weitenwettbewerbe. Die Ausrüstung ist ein Kulturgut für sich: Früher Holzstöcke mit Eisenring, heute genormte Stöcke mit wechselbaren Laufplatten für Eis und Asphalt.

Mythos-Check

Eisstockschießen ist einer der wenigen Bräuche, die die Verwandlung in einen modernen Sport überlebt haben, ohne ihre Wirtshausseele zu verlieren: Nach der letzten Kehre gehört das Spiel besprochen - traditionell dort, wo es warm ist.

Quellen und Einordnung

Historische Belege für alpine Eisspiele nach volkskundlicher und sportgeschichtlicher Literatur; Regeln nach dem heute üblichen Verbandsstandard, vereinfacht dargestellt. Stand 19.07.2026.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Eisstockschießen und Curling?
Kein Wischen: Der Eisstock gleitet frei, geschossen am Griff (Stingl). Curling ist der schottische Verwandte mit Besen.
Was ist eine Moarschaft?
Die Mannschaft (klassisch vier Schützen), angeführt vom Moar.
Was ist die Daube?
Die Zielscheibe, um die die Stöcke platziert werden.
Kann man Eisstockschießen auch im Sommer spielen?
Ja, auf Asphaltbahnen - Sommerstockschießen ist fest etabliert.