- Polterabend: Am Vorabend wird Porzellan und Steingut zerschlagen - Scherben bringen Glück. Niemals Glas (Glück zerbricht) und niemals Spiegel.
- Das Paar kehrt die Scherben gemeinsam zusammen: die erste gemeinsame Arbeit.
- Brautentführung: Freunde entführen die Braut ins Wirtshaus, der Bräutigam muss sie suchen und auslösen - klassisch durch Übernahme der Zeche.
- Baumstammsägen: Das Paar sägt gemeinsam einen Stamm durch - Sinnbild für die erste gemeinsam bewältigte Aufgabe. Dazu: Brot und Salz für den Hausstand.
Der Polterabend
Am Abend vor der Hochzeit (oder am Wochenende davor) bringen Nachbarn und Freunde ausrangiertes Porzellan mit und zerschlagen es vor dem Haus - nach dem alten Wort: Scherben bringen Glück. Der Lärm steht in derselben Tradition wie aller Schwellenlärm des Brauchtums: Er soll böse Geister von der Lebenswende fernhalten. Zwei Regeln sind ernst gemeint: kein Glas - das symbolisiert das Glück selbst und darf nicht zerbrechen - und keine Spiegel. Danach kehrt das Brautpaar die Scherben gemeinsam zusammen: die demonstrative erste Zusammenarbeit, gern von den Gästen durch Nachwerfen verlängert.
Die Brautentführung
Irgendwann während der Feier ist die Braut weg: Freunde des Paares haben sie in ein nahes Wirtshaus entführt. Der Bräutigam muss suchen - traditionell in Begleitung, die Spur führt über Einkehr zu Einkehr - und die Braut auslösen, klassisch durch Übernahme der aufgelaufenen Zeche, gern ergänzt um kleine Mutproben. Der Brauch spielt durch, was die Ehe verspricht: Der Mann soll zeigen, dass er seine Frau sucht und was sie ihm wert ist. Wie beim Maibaum gilt ungeschriebenes Recht: Die Entführer müssen auffindbar bleiben - eine Entführung, die die Feier sprengt, bricht den Brauch.
Baumstamm, Brot und Salz
Nach der Trauung wartet vielerorts der Baumstamm auf dem Bock: Das Paar muss ihn mit einer Zweimann-Säge - gern einer bewusst stumpfen - gemeinsam durchsägen. Wer zieht, wann, und wer sich verkantet: Das Publikum liest die Arbeitsteilung der jungen Ehe mit Vergnügen mit. Zum Einzug ins gemeinsame Heim gehören schließlich Brot und Salz - Wohlstand und Würze des Lebens - ein Brauch, der weit über Bayern hinaus lebt.
Quellen und Einordnung
Brauchbestand nach volkskundlicher Literatur zu Lebenslaufbräuchen in Bayern; regionale Varianten (Ablauf der Auslöse, Sägeregeln) ausdrücklich vorbehalten. Stand 19.07.2026.