- Krampus: Adventsbrauchtum, Begleiter des heiligen Nikolaus, Auftritt 5./6. Dezember.
- Perchten: Rauhnachtsbrauchtum, Auftritt zwischen Wintersonnenwende und 6. Januar.
- Name Krampus: von mittelhochdeutsch Krampen (Kralle) oder bairisch Krampn (Verdorrtes).
- Verbreitung: Ostalpenraum und Altbayern, dazu Oesterreich, Suedtirol und Nachbarregionen.
- Sternsinger: 6. Januar, Segensspruch C+M+B = Christus mansionem benedicat.
Der Krampus: Zuchtmeister des Nikolaus
Wo der Nikolaus belohnt, droht der Krampus: zottiges Fell, geschnitzte Maske, Hörner, Kette und Rute. Sein Name kommt vom mittelhochdeutschen Krampen, der Kralle, oder vom bairischen Krampn für etwas Verdorrtes, Lebloses. Das pädagogische Doppel aus gutem Heiligen und finsterem Begleiter ist im gesamten Ostalpenraum zu Hause – von Altbayern über Österreich bis Südtirol. Beim Hausbesuch am 5. Dezember, dem Krampustag, rasselt die Kette; bei den grossen Krampusläufen ziehen ganze Passen, wie die Gruppen heissen, durch die Orte. Auch durch die Münchner Innenstadt ziehen im Advent Krampusgruppen rund um den Christkindlmarkt.
Die Perchten: Gestalten der Rauhnächte
Die Perchten gehören in eine andere Zeit des Winters: die Rauhnächte zwischen Wintersonnenwende und Dreikönig, wenn nach altem Glauben die Grenze zwischen den Welten dünn wird. Ihr Name geht auf die Sagengestalt der Percht zurück. Die Tradition kennt zwei Gesichter: die schönen Schönperchten, die Glück und Segen bringen, und die furchterregenden Schiachperchten, die mit Lärm, Glocken und Masken den Winter und seine Geister austreiben. Wer im Januar eine Maskengestalt sieht, sieht also keine verspäteten Krampusse – sondern Perchten in ihrer eigentlichen Saison.
Faustregel: Vor Weihnachten ist es ein Krampus, nach Weihnachten eine Percht. Die Vermischung beider Gestalten ist selbst ein junges Phänomen – befeuert durch Shows und Veranstaltungen, die beide Figuren in einen Topf werfen.
Die Sternsinger: der versöhnliche Abschluss des Winterbrauchtums
Auf die dunklen Gestalten folgt der Segen: Um den 6. Januar ziehen die Sternsinger von Haus zu Haus – Kinder, gekleidet als die Heiligen Drei Könige, mit Stern, Liedern und Kreide. An die Tür schreiben sie den Segen 20*C+M+B+27: Christus mansionem benedicat, Christus segne dieses Haus – nicht, wie oft vermutet, die Initialen von Caspar, Melchior und Balthasar. Als organisierte Sammelaktion ist das Dreikönigssingen heute eine der grössten Solidaritätsaktionen von Kindern für Kinder weltweit.
Einordnung
Das Winterbrauchtum zwischen Nikolaus und Dreikönig zeigt beispielhaft, wie Bräuche wandern und sich verformen: alpenländische Gestalten, die in die Stadt kommen, kirchliche Deutungen über älteren Schichten, Shows neben Hausbräuchen. Wer die Unterschiede kennt, sieht keinen Widerspruch, sondern die Arbeitsteilung eines langen Winters: Der Krampus mahnt im Advent, die Perchten räumen die Rauhnächte, die Sternsinger segnen das neue Jahr.
Quellen und Einordnung
Begriffsherkunft und Abgrenzung Krampus/Perchten nach volkskundlicher Standardliteratur zum Alpenraum (vgl. auch den Ueberblick der freien Enzyklopaedie Wikipedia, Artikel "Krampus", abgerufen 19.07.2026); Sternsinger/Dreikoenigssingen nach Angaben der kirchlichen Traegerorganisationen. Stand 19.07.2026.