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Kirchenjahr · Advent

Adventsbrauchtum in München: Vom Eisstock bis zum Weihnachtsmarkt im Englischen Garten

Der Münchner Advent ist mehr als Glühwein und Geschenkestress. Hinter den Weihnachtsmärkten der Stadt steht ein Geflecht aus Bräuchen, die teils Jahrhunderte zurückreichen: Turmmusik, Nikolausbesuche, Klöpfelnächte, Eisstockschießen. Dieser Beitrag ordnet das Adventsbrauchtum der Stadt ein, mit einem besonderen Blick auf den Weihnachtsmarkt im Englischen Garten, der einige dieser Traditionen bis heute lebendig hält.

Turmmusik: Wenn Bläser den Advent ausrufen

Das Turmblasen gehört zu den ältesten musikalischen Bräuchen Bayerns. Stadttürmer kündigten einst vom Turm herab die Stunden an, in der Adventszeit bliesen sie Choräle über die Dächer. In München lebt dieser Brauch an zwei Orten weiter: am Alten Peter und am Chinesischen Turm im Englischen Garten, wo die Turmbläser an den Markttagen vom ersten Stock der Holzpagode Adventsmusik über den Platz spielen. Wer unten zwischen den Buden steht, erlebt Turmmusik so, wie sie gedacht war: von oben, über die Köpfe hinweg, als Klang, der den Ort zusammenhält.

Eisstockschießen: Bayerischer Winterbrauch auf der Bahn

Das Eisstockschießen ist der bayerische Wintersport schlechthin, seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar und einst auf zugefrorenen Weihern und Dorfbächen zuhause. Heute wird der Brauch auf Kunsteisbahnen gepflegt, im Advent auch mitten in der Stadt: Auf dem Weihnachtsmarkt im Englischen Garten stehen zwei Bahnen, auf denen Firmenrunden, Familien und Stammtische gegeneinander antreten. Dass der Eisstock dort heimisch wurde, passt zur Geschichte des Ortes, an dem bayerisches Brauchtum seit jeher gelebt statt ausgestellt wird.

Nikolaus, Klöpfeln und Geschichtenerzählen

Der Nikolaustag am 6. Dezember war in Bayern traditionell der Tag der Bescherung für Kinder, lange bevor sich das Christkind durchsetzte. Begleitet wurde der Nikolaus je nach Region vom Krampus oder Klaubauf. In den Klöpfelnächten, den drei Donnerstagen vor Weihnachten, zogen Kinder von Haus zu Haus, klopften an die Türen und sangen für kleine Gaben. Das öffentliche Vorlesen und Geschichtenerzählen im Advent knüpft an diese Stubentradition an: Auf dem Markt im Englischen Garten gibt es dafür bis heute einen eigenen Geschichtenstadl, in dem Kindern an den Adventswochenenden vorgelesen wird, dazu Nikolausbesuche zwischen den Buden.

Der Weihnachtsmarkt im Englischen Garten

Während der Christkindlmarkt am Marienplatz auf eine jahrhundertealte Markttradition zurückgeht, ist der Markt im Englischen Garten ein junger Brauch mit altem Fundament: Der erste Weihnachtsmarkt am Chinesischen Turm fand 1989 statt, als kleiner Markt auf der Restaurantterrasse. Heute gruppieren sich die Holzhütten rund um die beleuchtete Pagode, mit Kunsthandwerk kleiner Manufakturen, einem historischen Kinderkarussell von 1913 und den Turmbläsern in der Höhe. Dass ein Weihnachtsmarkt mitten in einem Landschaftspark liegt, ohne Häuserfassaden, dafür mit Kastanien und Wiesen ringsum, macht ihn unter den Münchner Märkten einzigartig.

Der Ort selbst trägt die längere Geschichte: Am Chinesischen Turm besteht die Wirtshaustradition seit 1792, gepflegt wird das Brauchtum dort heute unter anderem vom Chinesischer Turm e.V., der im Sommer auch den Kocherlball mitträgt. So schließt sich der Kreis aus altem Ort und jungem Brauch, der im Englischen Garten Jahr für Jahr aufs Neue Advent wird.

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Stand: Juni 2026. Alle Termine ohne Gewähr.