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Fragen zum Brauchtum in München
Die häufigsten Fragen zum Münchner und oberbayerischen Brauchtum, kurz und belegt beantwortet. Jede Antwort führt weiter in die Tiefe.
Termine
Wann ist der Kocherlball?
Traditionell am dritten Sonntag im Juli, frühmorgens ab etwa 6 Uhr im Englischen Garten am Chinesischen Turm. Der Termin ist fest an den Sonntag gebunden, das Kalenderdatum wechselt jährlich. Der Ball erinnert an die Dienstboten und Köchinnen des 19. Jahrhunderts, die Kocherl, die vor der Arbeit tanzten. Mehr zur Geschichte auf der Seite zum Kocherlball.
Wann ist der Tanz der Marktweiber?
Jährlich am Faschingsdienstag auf dem Viktualienmarkt. Der Bühnenauftritt der Marktfrauen beginnt gegen 11 Uhr, das Treiben läuft von etwa 9:30 bis 19 Uhr. Mehr dazu auf der Seite zum Tanz der Marktweiber.
Wann ist das Geldbeutelwaschen am Fischbrunnen?
Am Aschermittwoch, dem Tag nach dem Faschingsdienstag, gegen 11:30 Uhr am Fischbrunnen auf dem Marienplatz.
Wann ist die Starkbierzeit in München?
In der Fastenzeit, um den Josefitag am 19. März. Da die Fastenzeit von Ostern abhängt, verschiebt sich der genaue Zeitraum jährlich.
Wann wird der Maibaum aufgestellt?
Klassisch am 1. Mai, vielerorts schon am Vorabend. Das Maibaumstehlen findet in den Wochen davor statt, solange der Baum noch nicht aufgerichtet ist.
Wann ist die Leonhardifahrt?
Um den Leonharditag am 6. November, größtes Beispiel Bad Tölz. Mehr auf der Seite zur Leonhardifahrt.
Wie oft findet der Schäfflertanz statt?
Nur alle sieben Jahre, jeweils von Januar bis zum Faschingsdienstag des Schäfflerjahres. Belegt ist der Siebenjahresrhythmus seit 1760, warum es gerade sieben Jahre sind, ist nicht gesichert. 2026 war ein Schäfflerjahr, der nächste reguläre Termin ist 2033. Mehr auf der Seite zum Schäfflertanz.
Wie oft im Jahr ist die Auer Dult?
Dreimal jährlich auf dem Mariahilfplatz in der Au, als Maidult, Jakobidult und Kirchweihdult, jeweils rund neun Tage. Sie gilt als einer der größten Geschirrmärkte Europas. Das altbairische Wort Dult bezeichnete ursprünglich ein Kirchenfest mit Marktständen, später einen Jahrmarkt. Mehr auf der Seite zur Auer Dult.
Wann ist der Wiesn-Anstich beim Oktoberfest?
Am ersten Wiesn-Samstag um 12 Uhr im Schottenhamel-Festzelt. Mehr auf der Seite zum Anstich.
Wann ist der Trachten- und Schützenzug?
Am ersten Wiesn-Sonntag, dem Tag nach dem Anstich. Der Trachten- und Schützenzug führt durch die Innenstadt zur Theresienwiese.
Wann ist das Oktoberfest 2026?
Vom Samstag, 19. September, bis Sonntag, 4. Oktober 2026, auf der Theresienwiese, also 16 Tage. Das Fest endet traditionell am ersten Sonntag im Oktober. Fällt der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober auf den Montag danach, wird um einen Tag verlängert. Mehr auf der Seite zum Oktoberfest.
Wann ist der Christkindlmarkt?
Der Christkindlmarkt am Marienplatz läuft 2026 vom 20. November bis 24. Dezember. Auf dem Marienplatz steht der Markt seit 1972, seine Wurzeln reichen bis ins 14. Jahrhundert. Mehr auf der Seite zum Christkindlmarkt.
Einzelne Bräuche
Was ist der Einzug der Wiesnwirte?
Der festliche Zug der Festwirte und Brauereien mit geschmückten Kutschen vom Stadtzentrum zur Theresienwiese am ersten Wiesn-Samstag, unmittelbar vor dem Anstich.
Was ist das Standkonzert der Wiesnkapellen?
Ein gemeinsames Konzert der Festzeltkapellen zu Füßen der Bavaria am mittleren Wiesn-Sonntag. Mehrere hundert Musiker spielen zusammen, der Eintritt ist frei.
Was ist der Metzgersprung?
Ein alter Zunftbrauch, bei dem junge Metzgergesellen zum Zeichen ihrer Freisprechung in den Fischbrunnen am Marienplatz springen und die Zuschauer mit Wasser bespritzen. Historisch gehörte er in die Faschingszeit, seit 1995 findet er alle drei Jahre im September statt, zuletzt am 14. September 2025. Er teilt mit dem Geldbeutelwaschen den Ort und ist auf der Seite zum Fasching eingeordnet.
Was ist das Derblecken am Nockherberg?
Derblecken ist bairisch für verspotten oder necken. Gemeint ist vor allem die spöttische Politikerrede bei der Starkbierprobe am Nockherberg, bei der Amtsträger in der Fastenpredigt humoristisch durch den Kakao gezogen werden und das mit Humor tragen müssen. Das Singspiel am Nockherberg ist fester Bestandteil der Münchner Starkbierzeit.
Was sind die Damischen Ritter und die Narrhalla?
Zwei traditionsreiche Münchner Faschingsgesellschaften. Die Narrhalla stellt das Prinzenpaar und tritt unter anderem beim Tanz der Marktweiber auf, die Damischen Ritter veranstalten einen großen Faschingsumzug.
Was ist der Schuhplattler?
Ein alpenländischer Werbe- und Schautanz mit rhythmischem Schlagen auf Schuhe und Schenkel. Er wird heute vor allem in Trachten- und Gebirgsvereinen gepflegt. Mehr dazu auf der Seite zum Schuhplattler.
Was ist Fingerhakeln?
Ein altbairischer Kraftwettkampf, bei dem zwei Kontrahenten über einen Tisch hinweg versuchen, sich gegenseitig an einem in den Finger gehakten Lederband zu ziehen. Es ist ein geregelter Sport mit Verbänden.
Was ist Goaßlschnalzen?
Das rhythmische Knallen mit einer langen Peitsche, der Goaßl. Ursprünglich Signal der Fuhrleute, heute ein Schaubrauch in Gruppen, oft zu Festen und Umzügen.
Was ist das Brunnenfest am Viktualienmarkt?
Ein sommerliches Markt- und Standlfest am Viktualienmarkt rund um den Brunnen. Einen Überblick gibt die Seite zu den Marktbräuchen am Viktualienmarkt.
Was sind die Raunächte?
Die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, meist vom 25. Dezember bis 6. Januar gerechnet. Sie galten als Zeit außerhalb der gewohnten Ordnung. Verbreitet sind Räuchern, Orakelbräuche und Perchtenläufe. Die Zwölfzahl wird meist mit der Differenz zwischen Mond- und Sonnenjahr erklärt. Ausführlich auf der Seite zu den Raunächten.
Was ist Fronleichnam?
Ein katholisches Hochfest zur Verehrung der Eucharistie, in Bayern ein gesetzlicher Feiertag. Es fällt auf den Donnerstag 60 Tage nach Ostern. In München zieht eine große Prozession mit Monstranz, Traghimmel, Blasmusik und Blumenschmuck durch die Altstadt. Ausführlich auf der Seite zu Fronleichnam.
Bedeutung und Hintergrund
Was bedeutet das Geldbeutelwaschen?
Man taucht den leeren Geldbeutel ins Brunnenwasser, damit er sich im Lauf des Jahres wieder fülle. Der Oberbürgermeister tut dies symbolisch mit dem Stadtsäckel für die Münchner Stadtkasse.
Warum beginnt der Kocherlball so früh am Morgen?
Weil die Dienstboten, Kindermädchen und Köche, die ihn begründeten, zu keiner anderen Zeit frei hatten. Der frühe Beginn ist kein Folklore-Effekt, sondern Teil der sozialen Herkunft des Brauchs.
Warum tanzen die Schäffler?
Der Überlieferung nach sollen die Fassbinder nach einer Pestzeit als erste wieder auf die Straße gegangen sein, um die Bevölkerung aus der Angst zu holen. Die Ursprungslegende ist verbreitet, ihre genaue Datierung gilt als unsicher.
Warum wird der Maibaum gestohlen?
Das Stehlen ist kein Übergriff, sondern Teil der Regel. Wird der Baum vor dem Aufstellen entwendet, muss ihn das bestohlene Dorf auslösen, klassisch mit Brotzeit und Bier. Ein geregeltes Spiel zwischen Nachbarorten.
Was bedeutet O'zapft is?
Bairisch für Es ist angezapft. Mit diesem Ruf gibt der Münchner Oberbürgermeister das Oktoberfest frei, nachdem er am ersten Wiesn-Samstag um 12 Uhr im Schottenhamel-Zelt das erste Fass angestochen hat. Erst danach darf auf der ganzen Wiesn ausgeschenkt werden. Mehr auf der Seite zum Anstich.
Warum heißt es Starkbierzeit?
Weil in der Fastenzeit besonders gehaltvolles Starkbier ausgeschenkt wird, dessen Tradition auf die Paulanermönche und ihr Fastenbier zurückgeht. Es galt als flüssige Nahrung in der Fastenzeit.
Was ist der Unterschied zwischen Brauch und Tradition?
Ein Brauch ist die konkrete, wiederkehrende Handlung, etwa der Tanz am Faschingsdienstag. Tradition ist das Weitergeben dieser Handlung über Generationen. Ein Brauch kann jung sein und trotzdem ernsthaft gepflegt werden.
Worin unterscheiden sich Kocherlball und Schäfflertanz?
Der Kocherlball ist ein offener Volkstanz mit sozialem Ursprung im Dienstbotenmilieu, jährlich. Der Schäfflertanz ist ein geschlossener Zunfttanz der Fassbinder, nur alle sieben Jahre.
Was ist ein Charivari?
Eine Schmuckkette, die quer über Lederhose oder Dirndl getragen wird, oft mit Münzen, Zähnen oder Anhängern. Ursprünglich wohl aus der Uhrkette hervorgegangen, im 19. Jahrhundert zum Schmuck- und Statusstück erweitert, heute Teil der Trachtenkunde.
Warum isst man die Weißwurst vor 12 Uhr?
Historisch, weil die frische, nur leicht gebrühte Wurst ohne Kühlung schnell verdarb. Sie wurde am frühen Morgen zubereitet und sollte, so der Spruch, die zwölf Uhr Glocke nicht mehr hören. Heute ist das reine Tradition, denn moderne Kühlung macht die Regel überflüssig. Alles zur Weißwurst steht auf der eigenen Seite.
Dirndlschleife links oder rechts: ledig oder vergeben?
Nach verbreiteter, aber nicht streng verbindlicher Faustregel zeigt die Schleife rechts an, dass die Trägerin vergeben oder verheiratet ist, links, dass sie ledig ist. Hinten getragen deutet sie auf eine Witwe oder eine Bedienung, vorne mittig auf ein Kind oder bewusst keine Angabe. Ein sicheres Zeichen ist das nicht. Mehr zur Dirndlschleife.
Mythos gegen Fakt
Stimmt es, dass der Tanz der Marktweiber über 100 Jahre alt ist?
Nur teilweise. Marktfrauen tanzten nach städtischer Darstellung schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts informell, schriftlich greifbar wird der Brauch aber erst in den 1950er Jahren, und die heutige Bühnenform geht auf eine Wiederbelebung 1987 zurück. Die ausführliche Einordnung trennt Kern und Mythos.
Ist das Geldbeutelwaschen wirklich ein uralter Brauch?
Der Kern reicht ins 15. Jahrhundert zurück, die Kontinuität nicht. Der Brauch verlor sich und wurde 1950 von Oberbürgermeister Thomas Wimmer wieder aufgenommen und auf die Stadtkasse umgedeutet.
Wurde die Weißwurst wirklich 1857 erfunden?
Das ist die Legende um den Wirtsmetzger Joseph Moser. Der Stadtarchivar Richard Bauer hält dagegen, dass die Weißwurst als Weiterentwicklung der älteren Maibockwurst wohl schon vorher existierte. Die Weißwurst-Seite ordnet beides ein.
Gibt es den Weißwurstäquator wirklich?
Nicht als geografische Linie. Es ist ein scherzhafter Begriff aus dem 20. Jahrhundert für die gedachte Kulturgrenze zwischen Altbayern und dem übrigen Deutschland, ohne eindeutige Quelle und ohne festen Verlauf.
Ist der Kocherlball ein durchgehend alter Brauch?
Nein. Er entstand im 19. Jahrhundert, wurde 1904 von der Obrigkeit untersagt und erst 1989, zum 200-jährigen Bestehen des Englischen Gartens, in großem Rahmen wiederbelebt. Der soziale Kern ist alt, die heutige Form ist eine bewusste Rückholung.
Ist die Lederhose ein bäuerliches Kleidungsstück?
Nur zum Teil. Die Lederhose war verbreitete Arbeitskleidung, ihre Erhebung zur identitätsstiftenden Tracht ist jedoch wesentlich das Werk der Trachtenvereine ab dem späten 19. Jahrhundert. Mehr dazu in der Trachtenkunde.
Warum prüft dieses Archiv Legenden so streng?
Weil Genauigkeit die Form von Respekt ist, die ein lebendiger Brauch verdient. Wo eine Tradition jünger oder konstruiert ist als ihre Legende, wird das benannt, nicht verschwiegen. Das ist die redaktionelle Linie der Seite.
Mitmachen und Praktisches
Kann man beim Geldbeutelwaschen mitmachen?
Ja. Nach dem Oberbürgermeister und den Stadtvertretern dürfen geladene Gäste und Zaungäste ihren eigenen Geldbeutel im Fischbrunnen waschen.
Kostet der Tanz der Marktweiber Eintritt?
Nein. Die Veranstaltung auf dem Viktualienmarkt ist öffentlich und frei zugänglich.
Wie wird eine Weißwurst richtig gegessen?
Traditionell gezuzelt oder mit Längsschnitt von der Haut befreit. Die Haut wird nicht mitgegessen. Dazu gehören süßer Senf, Brezn und Weißbier.
Wie wird man Mitglied in einem Trachten- oder Schäfflerverein?
Über die örtlichen Vereine, die in der Regel offene Proben und Ansprechpartner anbieten. Anlaufstellen nennt die Seite Mitmachen.
Wo finde ich alle Termine auf einen Blick?
Im Brauchtumskalender, der die Termine nach Jahreszeiten ordnet, inklusive Mehrjahresausblick für den Siebenjahresrhythmus des Schäfflertanzes.
Darf man beim Maibaumstehlen einfach mitmachen?
Nur im Rahmen der ungeschriebenen Regeln zwischen den Orten und Burschenschaften. Der Baum darf nur vor dem Aufstellen und nicht mit Werkzeug entwendet werden, sonst gilt der Streich als unfair.
Ist das Oktoberfest ein Brauch oder ein Volksfest?
Beides. Das Fest selbst ist ein Volksfest, doch der Anstich, der Einzug der Wiesnwirte, der Trachtenzug und das Standkonzert sind klar umrissene Bräuche mit festen Regeln und Abläufen.
Eine Frage fehlt? Schreiben Sie uns über die Seite Mitmachen. Den vollständigen Brauchbestand zeigt die Übersicht der Bräuche, Einordnungen die Serie Mythos gegen Fakt.