Der Kocherlball
Einmal im Jahr tanzt München vor Sonnenaufgang unter dem Chinesischen Turm. Hinter dem Idyll steht eine Geschichte über Klasse und Obrigkeit.
Brauchtum in München und Oberbayern
Ein redaktionelles Archiv der Bräuche, die München bis heute prägen. Erzählt, nicht verklärt. Belegt, nicht behauptet.
Die Bräuche entdeckenWorum es geht
Brauchtum in einer Millionenstadt ist kein Freilichtmuseum. Es ist eine Praxis, die jedes Jahr neu eingeübt wird, von Menschen, die morgens danach wieder zur Arbeit gehen. Der Kocherlball beginnt um sechs Uhr, weil seine Erfinder zu keiner anderen Stunde frei hatten. Der Maibaum wird bewacht, weil der Diebstahl Teil der Regel ist. Beides funktioniert nur, solange es gelebt und nicht nur abgebildet wird.
Dieses Archiv nimmt die Bräuche darum ernst genug, um sie nicht zu verkitschen. Es trennt den belegten Kern vom Wirtshausmythos und sagt, wo eine Tradition jünger oder konstruierter ist, als der Volksmund glaubt. Genau diese Ehrlichkeit ist die Form von Respekt, die ein lebendiger Brauch verdient.
Eine Auswahl
Von hier führen die Wege weiter in den vollständigen Bestand und in den Brauchtumskalender.
Einmal im Jahr tanzt München vor Sonnenaufgang unter dem Chinesischen Turm. Hinter dem Idyll steht eine Geschichte über Klasse und Obrigkeit.
Nur alle sieben Jahre tanzen die Fassmacher durch München. 2026 war Schäfflerjahr, der nächste reguläre Termin ist 2033.
Zweimal im Jahr werden in Oberbayern die Pferde gesegnet. Im Herbst zu Leonhard, im Frühjahr zu Georg. Bad Tölz ist das größte Beispiel.
Dreimal im Jahr wird der Mariahilfplatz zur Freiluft-Flaniermeile. Europas größter Geschirrmarkt mit einer Geschichte bis ins Jahr 1310.
Münchens fünfte Jahreszeit. Was als Fastentrick der Paulanermönche begann, gipfelt heute im Politiker-Derblecken am Nockherberg.
Der Maibaum ist Schmuck und Pfand zugleich. Wer ihn vor dem Aufstellen stiehlt, zwingt das Dorf an den Verhandlungstisch.