Brauchtum MünchenLebendige Tradition
Kirchenjahr · Totengedenken

Allerheiligen und Allerseelen

Am 1. und 2. November wendet sich die Stadt ihren Toten zu. Kein lautes Fest, sondern ein stiller Brauch aus Gräbergang, Kerzenlicht und Gebet, in Bayern durch einen gesetzlichen und zugleich stillen Feiertag geschützt.

Termin1. und 2. November
CharakterStiller Feiertag
OrtFriedhöfe
In BayernGesetzlich frei

Anfang November werden die Münchner Friedhöfe hell. Tausende rote und weiße Grablichter brennen zwischen frisch bepflanzten Gräbern, Familien stehen im Nebel beisammen, ein Priester geht die Reihen ab und segnet. Allerheiligen und Allerseelen sind kein Rummel, sondern das leiseste Brauchtum des Jahres. Genau darin liegt ihre Kraft, und genau davon handelt diese Seite.

Zwei Tage, ein Gedanke

Die beiden Tage gehören zusammen, meinen aber Verschiedenes. Allerheiligen am 1. November gilt allen Heiligen, den offiziell verehrten wie den unzähligen unbekannten Frommen, deren Heiligkeit allein Gott kennt. Allerseelen am folgenden 2. November gilt dagegen allen verstorbenen Gläubigen, also den eigenen Toten in der Familie. Der erste Tag blickt nach oben zu den Vollendeten, der zweite bleibt bei den Verstorbenen, für die gebetet wird.

In der Praxis sind die beiden Tage längst verschmolzen. Weil Allerheiligen der gesetzliche Feiertag ist und die Menschen frei haben, werden Gräberbesuch, Blumenschmuck und Segnung meist schon am 1. November begangen, obwohl das Totengedenken eigentlich auf Allerseelen fällt.

Herkunft: von Cluny nach Bayern

Allerheiligen wurde im Frühmittelalter für die gesamte Kirche auf den 1. November festgelegt. Allerseelen ist jünger und gut datierbar: Abt Odilo von Cluny führte den Gedenktag für die Verstorbenen in allen von Cluny abhängigen Klöstern ein. Sein Dekret aus dem Jahr 998 ist erhalten. Von den Klöstern aus verbreitete sich der Tag über das ganze Abendland, auch nach Bayern.

Der Gang zu den mit Lichtern und Gestecken geschmückten Gräbern am Allerseelentag ist früh bezeugt, in Quellen bereits ab dem Jahr 1578. Der Brauch ist also keine Erfindung der Neuzeit, sondern über vierhundert Jahre alt und in ununterbrochener Übung geblieben.

Das Grablicht steht für die Zusage, dass die Verstorbenen nicht im Dunkel bleiben, sondern im Licht Gottes geborgen sind. Ein kleiner Docht trägt eine große Hoffnung.

Der stille Feiertag

In Bayern ist Allerheiligen gesetzlicher Feiertag und darüber hinaus ein stiller Feiertag nach dem bayerischen Feiertagsgesetz. Das schützt den ernsten Charakter des Tages. In München gilt das Tanzverbot von 2 bis 24 Uhr, öffentliche Tanz- und Unterhaltungsveranstaltungen sind in dieser Zeit untersagt. Musikalische Darbietungen sind nur zulässig, wenn sie zum ernsten Charakter des Tages passen. Allerseelen am 2. November ist dagegen kein gesetzlicher Feiertag.

Mythos-Check

Oft heißt es, Halloween sei die moderne Form von Allerheiligen oder gar ein uralter Gegenbrauch. Richtig ist nur die Namensspur: Halloween kommt von All Hallows Eve, dem Abend vor Allerheiligen. Der heutige Brauch mit Kostümen, Kürbissen und Süßigkeiten stammt jedoch aus Irland und Nordamerika und kam erst in den 1990er Jahren über Medien und Werbung nach Deutschland. Mit dem kirchlichen Totengedenken der beiden Novembertage hat er wenig zu tun. Wie sich solcher Kern von der Legende trennen lässt, zeigt das Thema Das Kirchenjahr.

Die Bausteine

Das Brauchtum der Novembertage

Der Gang

Gräbergang und Gräbersegnung

Kern der beiden Tage ist der Besuch am Grab. Familien richten es her, entzünden Lichter und verweilen im Gebet. Am Nachmittag zieht der Priester über den Friedhof und segnet die Gräber, die Gläubigen gehen betend mit. Die Erzdiözese München und Freising lädt dazu auf den Friedhöfen der Stadt und im Umland ein.

1. und 2. Nov
Das Licht

Grablichter und Seelenlichter

Rote und weiße Kerzen in Windlichtern brennen auf den Gräbern, oft die ganze Nacht. Das Grablicht, auch Seelenlicht genannt, steht für die Gegenwart Gottes bei den Verstorbenen und für die Hoffnung, dass sie im Licht geborgen sind. Kein anderer Brauch prägt das Bild der Friedhöfe im November so stark.

Abendstunden
Der Schmuck

Blumenschmuck der Gräber

Vor Allerheiligen werden die Gräber neu bepflanzt und mit Gestecken geschmückt, meist mit Erika, Chrysanthemen und Tannengrün, die dem Winter standhalten. Der Blumenschmuck ist Zeichen der Verbundenheit und Sorge, ein sichtbares Gedenken, das über den kurzen Besuch hinaus bleibt.

Vor dem 1. Nov
Das Gebäck

Seelenbrezn und Allerseelenzopf

Rund um Allerseelen wird ein geflochtenes Hefegebäck gebacken, je nach Gegend Seelenbrezn, Allerseelenzopf oder Allerheiligenstriezel genannt. Der geflochtene Zopf geht auf alte Trauerbräuche zurück, in denen man sich zum Zeichen der Trauer die Haare abschnitt. So wurde das Gebäck zum essbaren Gedenken.

Anfang Nov
Der Pate

Der Patenbrauch, die Godlbrezn

Nach altem Brauch schenken Tauf- und Firmpaten ihren Patenkindern zu Allerheiligen einen Striezel oder eine Brezn, vielerorts Godlbrezn genannt, nach der Godl, der Patin. Für Kinder in armen Verhältnissen war dieses Geschenk früher ein willkommener Ausgleich zu den kargen Alltagen. Der Brauch reicht von Bayern bis nach Österreich.

Um den 1. Nov
Die Stille

Stiller Feiertag und Tanzverbot

Allerheiligen ist in Bayern ein stiller Feiertag. In München gilt das Tanzverbot von 2 bis 24 Uhr, öffentliche Tanz- und Unterhaltungsveranstaltungen ruhen. Die Regelung steht im bayerischen Feiertagsgesetz und soll dem Tag den Raum der Besinnung sichern, den das Totengedenken braucht.

1. Nov, 2 bis 24 Uhr

Gedenken, Grab und die Frage nach dem Sinn

Allerheiligen und Allerseelen sind der sichtbarste Teil eines größeren Feldes: der bayerischen Kultur des Umgangs mit dem Tod. Vom gepflegten Grab über die Gräbersegnung bis zum Leichenschmaus reicht eine Ordnung, die dem Abschied Form gibt. Wer verstehen will, wie eng Totengedenken und Alltag hier verbunden sind, findet das beim Thema Totenbrauchtum. Und wie sich die beiden Novembertage in den Lauf des Jahres von Advent bis Fronleichnam einfügen, zeigt das Thema Das Kirchenjahr.

Besuch auf dem Friedhof

Wann. Der Andrang ist am 1. November am größten, viele kommen am Nachmittag zur Gräbersegnung. Wer es ruhiger mag, geht am Vormittag oder am Allerseelentag, dem 2. November. Die Lichter brennen an beiden Abenden.

Wie. Üblich sind ein neues Grablicht, ein Gesteck oder eine Pflanze und ein Moment des Gebets oder der Stille. Auf vielen Friedhöfen finden nachmittags Andachten mit anschließender Segnung der Gräber statt, die Zeiten hängen die Pfarreien aus.

Rücksicht. Als stiller Feiertag lädt Allerheiligen zur Zurückhaltung ein. Laute Musik und Feiern passen nicht zum Tag, das gilt nicht nur wegen des Tanzverbots, sondern aus Respekt vor den Trauernden.

Der Jahreslauf

Das Kirchenjahr

Wie sich Allerheiligen und Allerseelen in den Bogen von Advent bis Fronleichnam einfügen.

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Abschied und Gedenken

Totenbrauchtum

Vom gepflegten Grab bis zum Leichenschmaus: wie Bayern seinen Toten Form gibt.

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Wo es geschieht

Orte des Brauchtums

Friedhöfe, Kirchen und Plätze, an denen die Bräuche der Stadt lebendig sind.

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Quellen

  1. Erzbistum München und Freising, Meldungen zu Allerheiligen und Allerseelen sowie zu Gottesdiensten und Gräbersegnungen auf den Münchner Friedhöfen.
  2. katholisch.de, zur Bedeutung von Allerheiligen und Allerseelen, zum Unterschied der Tage und zu Grablicht, Blumen und Segnung.
  3. Wikipedia, Artikel Allerseelen, zu Odilo von Cluny und dem Dekret von 998 sowie zum Gräbergang ab 1578, und Artikel Allerheiligenstriezel, zu Zopfgebäck und Patenbrauch.
  4. Landeshauptstadt München, Informationen zum stillen Feiertag und zum Tanzverbot nach dem bayerischen Feiertagsgesetz.
  5. Evangelische Kirche in Deutschland, zu Ursprung und Herkunft von Halloween aus Irland und Nordamerika.

Stand August 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Andachts- und Segnungszeiten legen die Pfarreien örtlich fest und können abweichen.