Brauchtum MünchenLebendige Tradition
Kirchenjahr · Altbayern

Die Kirchweih

Kirta ist das Fest der eigenen Kirche und zugleich das große Herbstfest des Dorfes: Weihegottesdienst, Tanz, Kirtahutschn und Gansessen. Seit 1866 feiert fast ganz Altbayern am selben Tag.

Termin 202618. Oktober
AnlassWeihe der Kirche
RegionAltbayern
NamenKirta, Kirwa

Wenn im Oktober die Felder abgeerntet sind, feiert das Dorf seine Kirche. Kirchweih, in Altbayern Kirta, erinnert an den Tag, an dem das Gotteshaus geweiht wurde. Aus dem kirchlichen Gedenktag ist über die Jahrhunderte das wichtigste weltliche Herbstfest geworden: mit Tanz, Blasmusik, Schaukel und einem Festessen, das den ganzen Ort zusammenbringt. Diese Seite erzählt, was Kirchweih wirklich ist, und trennt den belegten Kern von der oft erzählten Verkürzung.

Was Kirchweih bedeutet

Kirchweih ist der Jahrestag der Weihe einer Kirche. Jede geweihte Kirche hat einen solchen Weihetag, und an seinem Jahrestag feierte die Pfarrgemeinde ihr Patronatsfest mit Gottesdienst und anschließendem geselligem Teil. Der Brauch ist alt: Kirchweihmahl und Kirchweihtanz sind bereits im 15. Jahrhundert verbreitet. Für die Landbevölkerung war die Kirta oft der einzige große Feiertag im Jahreslauf, an dem man ausgiebig aß, tanzte und Verwandte aus den Nachbarorten empfing.

Die regionalen Namen zeigen, wie tief das Fest verwurzelt ist. In Altbayern heißt es Kirta, in der Oberpfalz und in Teilen Frankens Kirwa oder Kärwa, im übrigen Deutschland Kirmes oder Kerwe. Gemeint ist überall dasselbe: die Weihe der Kirche und das Fest, das daran erinnert.

Warum alle am selben Tag feiern

Ursprünglich feierte jede Kirche an ihrem eigenen Weihetag oder am Fest ihres Patrons. Weil die Termine über das ganze Jahr verstreut lagen, zogen die Menschen von Dorf zu Dorf und feierten wochenlang mit. Das störte Arbeit und Ordnung. 1866 legten die bayerischen Diözesen deshalb einen einheitlichen Termin fest, die Allerweltskirchweih am dritten Sonntag im Oktober. Seither feiern viele Pfarreien gemeinsam an diesem Tag, 2026 am 18. Oktober.

Das Herbstdatum passte gut: Die Ernte war eingebracht, die Vorräte gefüllt, das Kirchenjahr näherte sich seinem Ende. So wurde aus vielen kleinen Kirchweihen ein gemeinsames Fest, das bis heute den Oktober prägt. Wo das Fest im Rhythmus des Kirchenjahres steht, zeigt das Thema Kirchenjahr.

A richtige Kirta dauert bis zum Irta, und wenn es sein muss, bis zum Migga. Das Sprichwort erinnert daran, dass die Kirta einst drei bis vier Tage dauerte, von Sonntag bis Dienstag oder Mittwoch.

Das Fest im Dorf

Der Kirchweihsonntag beginnt mit dem festlichen Gottesdienst. Danach gehört der Tag dem weltlichen Feiern: Im Wirtshaus spielt die Blasmusik zum Kirchweihtanz auf, vor der Scheune hängt die Kirtahutschn, und auf den Tisch kommt die Kirchweihgans. Vielerorts wird ein geschmückter Kirchweihbaum aufgestellt, den die Burschen über Nacht bewachen, damit ihn keine Nachbargemeinde stiehlt. Am Kirchweihmontag wird traditionell auch der Verstorbenen gedacht, mit einem Gottesdienst und dem Gang zu den Gräbern.

Mythos-Check

Oft heißt es, in Bayern sei Kirchweih grundsätzlich am dritten Sonntag im Oktober. Das stimmt nur zur Hälfte. Dieser Termin ist die 1866 angeordnete Allerweltskirchweih, gedacht für Pfarreien, deren genauer Weihetag nicht überliefert ist. Kirchen mit bekanntem Weihedatum feiern ihre örtliche Pfarrkirchweih weiterhin an ihrem eigenen Tag. Der einheitliche Oktobertermin hat die lokale Kirchweih also nicht ersetzt, sondern nur ergänzt. Wie sich solcher Kern von der Legende trennen lässt, zeigt das Thema Mythos gegen Fakt.

Die Bausteine

Das Brauchtum der Kirta

Der Schwung

Die Kirtahutschn

Das Wahrzeichen der oberbayerischen Kirta ist die Kirtahutschn, eine große Längsschaukel für bis zu fünfzehn Personen, die an Seilen von einem Scheunenbalken hängt. Wer mithutschen will, muss oft ein Gstanzl oder einen Vers aufsagen. Die Hutschn bringt Jung und Alt zusammen und ist der gesellige Mittelpunkt des Festtags.

Nachmittag
Der Tanz

Kirchweihtanz

Zur Kirta spielt die Blasmusik im Wirtshaus zum Tanz auf. Der Kirchweihtanz ist einer der ältesten Bräuche des Fests, schon im 15. Jahrhundert bezeugt. Er war für die Dorfjugend eine der wenigen Gelegenheiten im Jahr, öffentlich und ausgelassen zu tanzen, und ist bis heute Kern des geselligen Teils.

Abend
Der Baum

Der Kirchweihbaum

In vielen Orten stellen die Burschen einen geschmückten Kirchweihbaum auf. Er muss die Nacht über bewacht werden, denn nach altem Brauch versuchen die Burschen der Nachbargemeinde, ihn zu stehlen. Gelingt der Diebstahl, muss er mit einer Brotzeit oder Bier ausgelöst werden. Der Baum steht sichtbar für das Selbstbewusstsein des Dorfes.

Vorabend
Das Ende

Kirta is aus

Am letzten Festtag wird die Kirta symbolisch zu Grabe getragen. In manchen Gegenden vergraben oder verbrennen die Burschen eine Strohpuppe, die Kirta, unter Klagen und Spott. Der Brauch markiert augenzwinkernd das Ende des Feierns und die Rückkehr zum Alltag, bis die Kirchweih im nächsten Jahr wiederkehrt.

Letzter Tag
Das Gebäck

Auszogne

Zur Kirta gehören Auszogne, auch Kirchweihnudeln oder Kirchweihkrapfen genannt. Das runde Hefegebäck wird in der Mitte dünn ausgezogen, schwimmend in Butterschmalz ausgebacken und mit Zucker bestreut. Es wird oft in großer Menge gebacken und an Verwandte und Nachbarn verschenkt. Mehr dazu im Thema Esskultur.

Ganzer Tag
Der Braten

Die Kirchweihgans

Das Festessen der altbayerischen Kirta ist der Gänse- oder Entenbraten mit Kartoffelknödeln und Blaukraut. Die Kirchweihgans fällt zeitlich mit der Martinsgans und dem Ende der Erntesaison zusammen, wenn die Tiere gemästet sind. Sie macht die Kirta zum kulinarischen Höhepunkt des Herbstes.

Mittag

Die Kirchweihdult in München

In der Stadt hat die Kirchweih eine eigene Gestalt gefunden. Dreimal im Jahr findet auf dem Mariahilfplatz in der Au die Auer Dult statt, ein Markt mit Trödel, Geschirr und Volksfest. Die dritte und letzte im Jahr ist die Kirchweihdult im Oktober, 2026 vom 17. bis 25. Oktober. Sie beschließt die Dultsaison und knüpft an die alte Verbindung von Kirchweih und Markt an, denn zu vielen Kirchweihen gehörte seit jeher ein Jahrmarkt. Die Geschichte und die Termine stehen im Brauch Auer Dult.

Kirta feiern heute

Auf dem Land. In vielen Dörfern Oberbayerns und der Oberpfalz wird die Kirta noch kräftig begangen, oft von den Trachten- und Burschenvereinen getragen. Wer sie erleben will, sucht am dritten Oktoberwochenende die kleineren Orte auf, wo Blasmusik, Hutschn und Gansessen zusammenkommen.

In der Stadt. In München ist die Kirchweihdult die sichtbarste Form. Der Eintritt ist frei, die Dult liegt zentral in der Au und lässt sich gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichen. Sie ist ruhiger als das Oktoberfest und näher am ursprünglichen Marktcharakter.

Am Tisch. Die Kirta ist ein Fest des Essens. Wer Auszogne, Kirchweihgans und die Herkunft der bayerischen Festküche verstehen will, findet das im Thema Esskultur.

Markt und Fest

Auer Dult

Die Kirchweihdult im Oktober beschließt die drei Dulten auf dem Mariahilfplatz, die städtische Form der Kirchweih.

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Am Tisch

Esskultur

Auszogne, Kirchweihgans und Blaukraut: die Festküche, die zur Kirta gehört.

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Im Jahreslauf

Kirchenjahr

Wo Kirchweih zwischen Erntedank und Allerheiligen im Rhythmus des Kirchenjahres steht.

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Quellen

  1. Wikipedia, Artikel Kirchweihtraditionen, zu Namen, Kirtahutschn, Kirchweihtanz, Kirchweihbaum, Kirta is aus und Kirchweihnudeln.
  2. katholisch.de, Warum die Bayern am dritten Oktobersonntag Kirchweih feiern, zur Allerweltskirchweih und zur Anordnung von 1866.
  3. Bistum Regensburg, Blick in Geschichte und Brauchtum der Kirchweih in Altbayern, zu Bedeutung, örtlicher Kirchweih und Bräuchen.
  4. auerdult.de, Landeshauptstadt München, zu den drei Dulten und den Terminen der Kirchweihdult 2026.

Stand August 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Termine und Programm können sich kurzfristig ändern.