Brauchtum MünchenLebendige Tradition
Lebenslauf · Sakrament

Taufe und Patenschaft

Der erste große Brauch im Leben beginnt am Taufbecken. Wasser, Kerze und weißes Kleid nehmen das Kind in die Gemeinschaft auf. An seiner Seite stehen Godl und Göd, die Patin und der Pate, die es ein Leben lang begleiten sollen.

LebensphaseGeburt und Kindheit
SakramentTaufe
PatenGodl und Göd
PrägungKatholisch

In München und ganz Altbayern ist das Leben seit Jahrhunderten von einer festen Abfolge kirchlicher Feste gerahmt. Sie beginnt kurz nach der Geburt mit der Taufe und führt über die Erstkommunion bis zur Firmung. Diese Stationen sind mehr als religiöse Pflichttermine. Sie sind Familienfeste, an denen Verwandtschaft, Nachbarschaft und Patenschaft sichtbar werden. Wer das Brauchtum der Stadt verstehen will, kommt am Taufbecken nicht vorbei, denn hier wird der Mensch zum ersten Mal in eine Gemeinschaft aufgenommen.

Die Taufe als Aufnahme

Die Taufe ist das erste der drei Initiationssakramente der katholischen Kirche, gemeinsam mit Firmung und Eucharistie. Sie gilt als Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche und wird meist in den ersten Wochen oder Monaten nach der Geburt gefeiert. Getauft wird oft an einem Sonntag, häufig mit mehreren Kindern zugleich, damit die Gemeinschaft der Pfarrei sichtbar wird. Das ist keine Nebensache, sondern der Kern der Feier: Niemand tauft sich selbst, die Taufe geschieht immer in und für eine Gemeinschaft.

Der Ablauf folgt einer klaren Ordnung. Zu Beginn zeichnen Eltern und Paten dem Kind ein Kreuz auf die Stirn, als Zeichen der Zugehörigkeit zu Christus. Den Mittelpunkt bildet das Taufwasser, über das der Priester oder Diakon die Taufformel spricht: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Danach folgt die Salbung mit Chrisam, einem wohlriechenden Öl. Zwei Zeichen schließen die Feier ab, die weit über die Kirche hinaus bekannt sind.

Das Kind wird nicht für sich allein getauft. Es wird in eine Gemeinschaft hineingenommen, die es tragen, begleiten und im Glauben unterrichten soll.

Taufkerze und Taufkleid

Das weiße Taufkleid drückt aus, dass das Kind Christus angezogen hat und von Gottes Liebe umhüllt ist. Vielerorts wird ein Familientaufkleid weitergegeben, das schon Eltern oder Geschwister getragen haben, und so über Generationen zum stillen Familienstück wird. Die Taufkerze wird an der Osterkerze entzündet und steht für das Licht Christi, das dem Kind auf seinem Weg leuchten soll. Sie wird zu Hause aufbewahrt und traditionell später wieder entzündet, zur Erstkommunion, zur Firmung, mancherorts sogar bei der Hochzeit. So verbindet ein einziges Licht die Stationen eines Lebens.

Mythos-Check

Oft heißt es, der Pate sei rechtlich der Vormund, der das Kind bei Tod der Eltern automatisch aufnehme. Das trifft heute nicht mehr zu. Bis zur Reform des Kirchenrechts 1983 galt die Patenschaft als geistliche Verwandtschaft, die sogar Ehehindernisse begründen konnte, und der Pate hatte eine anerkannte Fürsorgepflicht. Heute begründet das Patenamt keine Vormundschaft mehr, dafür wäre eine testamentarische Verfügung nötig. Geblieben ist die persönliche, begleitende Rolle. Wie sich solcher Kern von der Legende trennen lässt, zeigt das Thema Mythos gegen Fakt.

Die Stationen

Der katholische Lebenslauf

Aufnahme

Die Taufe

Kurz nach der Geburt wird das Kind in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Kreuzzeichen, Taufwasser mit der Taufformel, Salbung mit Chrisam, weißes Taufkleid und die an der Osterkerze entzündete Taufkerze bilden den Ablauf. Es ist das erste der drei Initiationssakramente.

In den ersten Wochen
Begleitung

Godl und Göd

Patin und Pate stehen bei der Taufe an der Seite des Kindes und übernehmen die Aufgabe, es im Glauben zu begleiten. In Altbayern heißen sie Godl und Göd. Nach Kirchenrecht müssen sie mindestens 16 Jahre alt, getauft und gefirmt sein. Ihre Rolle reicht weit über den Tauftag hinaus.

Lebensbegleitend
Erste Teilhabe

Die Erstkommunion

Mit etwa neun Jahren, meist im dritten Schuljahr, empfängt das Kommunionkind zum ersten Mal die Eucharistie. Traditioneller Termin ist der Weiße Sonntag nach Ostern. Mädchen tragen oft ein weißes Kleid, in manchen Pfarreien einheitliche weiße Alben, damit soziale Unterschiede zurücktreten.

Mit etwa 9 Jahren
Bekräftigung

Die Firmung

Die Firmung stärkt und vollendet die Taufe. Im Erzbistum München und Freising wird sie meist mit 13 oder 14 Jahren gespendet. Der Bischof oder sein Vertreter salbt die Stirn mit Chrisam und spricht: Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist. Ein Firmpate begleitet den jungen Menschen.

Mit 13 oder 14 Jahren

Godl und Göd: die Paten in Altbayern

In Altbayern und im benachbarten Österreich heißen Patin und Pate seit jeher Godl und Göd, dazu gibt es Formen wie God, Godin oder Godel. Die Wörter leiten sich von Gott ab und benennen damit den eigentlichen Auftrag: Godl und Göd sollen das Kind im Glauben begleiten. Üblich sind eine Patin und ein Pate, ausgewählt aus Verwandtschaft oder engem Freundeskreis. Die Wahl der Paten ist keine Formsache, sie knüpft ein Band zwischen zwei Familien, das lange hält.

Die Rolle war früher handfester als heute. Starben die Eltern, sprang der Pate ein und sorgte für das Kind, moralisch wie oft auch materiell. Diese Schutzfunktion ist rechtlich verblasst, geblieben ist die persönliche Begleitung. Godl und Göd erinnern an Namenstage und Feste, sie schenken zu den kirchlichen Stationen und bleiben Ansprechpartner, wenn es im Elternhaus schwierig wird. In vielen Familien ist der Pate bis heute eine feste, warmherzige Größe im Leben eines Kindes.

Das Patengeschenk und die Goedlbrezn

Zur Patenschaft gehört das Schenken. Zur Taufe stiftet der Pate häufig Taufkerze oder Taufkleid, oft auch ein bleibendes Andenken wie ein Kreuz oder eine Medaille. Ein besonders schöner altbayerischer und österreichischer Brauch ist die Goedlbrezn oder Patenbrezn: Zu Ostern bringen Godl und Göd dem Patenkind eine große, geflochtene Brezn, meist verbunden mit einem kleinen Geldgeschenk. Die süße Osterbrezn ist mehr als Gebäck, sie steht als Gabe von Pate zu Kind für die fortdauernde Verbindung über den Tauftag hinaus. Auch zu Erstkommunion und Firmung ist ein Patengeschenk fester Bestandteil des Fests.

Von der Taufe zur Firmung

Die Taufe ist die erste, aber nicht die einzige Station. Mit der Erstkommunion nimmt das Kind zum ersten Mal an der Eucharistie teil, dem gemeinsamen Mahl der Gläubigen. In der Firmung schließlich bekennt sich der junge Mensch selbst und bewusst zu seinem Glauben, das Sakrament vollendet die Taufe. So spannt sich ein Bogen vom Säugling am Taufbecken bis zum Jugendlichen, der eigenständig Ja sagt. Diese Feste ordnen sich in den größeren Rhythmus des Jahres ein, den das Thema Kirchenjahr nachzeichnet, und sie leben von den Menschen und Vereinen, die sie tragen.

Der Rhythmus

Das Kirchenjahr

Warum die Erstkommunion auf den Weißen Sonntag fällt und wie Ostern den Kalender der Feste bestimmt.

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Die Menschen

Akteure und Vereine

Pfarreien, Familien und Paten: wer die Feste des Lebenslaufs trägt und weitergibt.

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Nächste Station

Die Hochzeit

Vom Taufkind zum Brautpaar: der nächste große Brauch im Lauf eines Lebens.

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Quellen

  1. Erzbistum München und Freising, Glaube und Sakramente, zu Ablauf der Taufe, Taufkerze, Taufkleid, Salbung mit Chrisam sowie zur Firmung mit Alter und Spendeformel.
  2. Wikipedia, Artikel Patenamt, zur historischen geistlichen Verwandtschaft, zur Reform des Kirchenrechts 1983 und zu den heutigen Voraussetzungen für Paten.
  3. Wikipedia, Artikel Erstkommunion, zu Alter, weißem Sonntag, Kommunionkleid und den drei Initiationssakramenten.
  4. brauchtum.org und mundartliche Wörterbücher, zu God und Godl als altbayerische Bezeichnung für Pate und Patin sowie zur Goedlbrezn zu Ostern.

Stand August 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Kirchliche Praxis und Termine können sich je nach Pfarrei unterscheiden.