Nicht jeder Tag im Jahreskreis trägt einen Festzug oder ein volles Bierzelt. Zwischen den großen Anlässen liegen Dutzende kleinerer Tage, die früher jeder kannte: Nächte, in denen man in die Zukunft zu blicken versuchte, Patronatstage der Zünfte, Termine, an denen Knechte den Hof wechselten und Pachten fällig wurden. Viele dieser Tage sind zugleich Lostage, an denen man aus dem Wetter das Kommende ablesen wollte. Diese Seite sammelt die wichtigsten und sagt am Ende ehrlich, was von ihren Wetterregeln zu halten ist.
Merktag, Lostag, Festtag
Die kleinen Tage des Jahres erfüllten mehrere Aufgaben zugleich. Als Festtage der Heiligen gaben sie dem Kirchenjahr seinen Takt. Als Merktage strukturierten sie das bäuerliche und handwerkliche Leben, etwa als Zahltag oder als Termin für den Wechsel der Dienstboten. Und als Lostage galten sie als Fenster in die nahe Zukunft, aus dem sich Wetter, Ernte oder gar der künftige Ehepartner deuten lassen sollten. Wie diese Tage im großen kirchlichen Gerüst hängen, zeigt das Thema Das Kirchenjahr.
Ein Lostag ist nach altem Volksglauben ein Tag, an dem sich das Wetter der kommenden Wochen ablesen lassen soll. Bekannte Beispiele sind Mariä Lichtmess am 2. Februar, die Eisheiligen im Mai, der Siebenschläfertag am 27. Juni und Michaeli am 29. September. Aus ihnen speist sich der große Vorrat der Bauernregeln, gereimter Merksätze, die Wetter und Landwirtschaft verbanden.
Die kleinen Tage sind das Bindegewebe des Jahres. Ohne sie bliebe zwischen den Hochfesten nur leere Zeit.
Manche dieser Tage sind eng mit den dunklen Nächten des Winters verwandt. Die Andreasnacht etwa gehört wie Weihnachten und Silvester zu den Losnächten, in denen die Grenze zwischen den Welten als durchlässig galt. Die berühmtesten dieser Nächte, die zwölf zwischen den Jahren, behandelt der Brauch Die Raunächte gesondert.