Das bairische Wort Schmankerl meint eine Köstlichkeit, einen Leckerbissen, etwas, das man sich gönnt. In der bayerischen Esskultur steht es für die kleinen, handfesten Speisen, die eine Brotzeit oder einen Biergartenbesuch ausmachen. Diese Seite versteht sich als kleines Lexikon dieser Schmankerl. Sie erklärt, was auf dem Brett liegt, woher es kommt und warum manche vermeintlich uralte Tradition in Wahrheit erstaunlich jung ist.
Die Brotzeit ist keine Mahlzeit
Am Anfang steht ein Missverständnis. Die Brotzeit ist keine warme Hauptmahlzeit und kein Ersatz für das Mittagessen. Sie ist eine kalte Zwischenmahlzeit mit einer festen Zusammensetzung, ursprünglich die Pause am Vormittag, in der Handwerker, Bauern und Arbeiter Brot und Wurst aßen, ehe die Arbeit weiterging. Der Name selbst erzählt das: die Zeit, zu der man das Brot herausholt.
Was auf dem Brett landet, folgt einer stillen Ordnung. Dunkles Brot oder eine Semmel bilden die Grundlage, dazu kommen Wurst und Käse, Aufstriche wie Obazda oder Griebenschmalz, ein Radi, saure Gurken, Radieschen und Salz. Getrunken wird ein Bier oder eine Halbe. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern das gemeinsame Sitzen. Die Brotzeit ist damit weniger eine Frage des Hungers als eine Kulturform: eine Einladung, sich Zeit zu nehmen.
Man macht keine Brotzeit, um satt zu werden, man macht Brotzeit, um beieinander zu sein.
Der Biergarten als Bühne
Viele der bekanntesten Schmankerl haben ihren Ort im Biergarten. In den Münchner Biergärten galt und gilt eine Besonderheit: Zum gekauften Bier darf mitgebrachtes Essen verzehrt werden. Diese Regel, die auf das frühe 19. Jahrhundert zurückgeht, hat die Brotzeit zum Herzstück des Biergartens gemacht. Ganze Familien kamen mit Korb und Tischtuch, um im Schatten der Kastanien ihre eigene Brotzeit aufzubauen. Auf dieser Bühne entstanden auch Gerichte, die heute als urbayerisch gelten, obwohl sie noch nicht besonders alt sind.