Der Münchner Fasching ist keine Hochburg im rheinischen Sinn, und er will es auch nicht sein. Statt tagelanger Straßenzüge und Millionenpublikum pflegt die Stadt eine Handvoll fest umrissener Bräuche, viele davon aus den alten Zünften und vom Markt. Genau darin liegt sein Reiz: Wer die Narrhalla, den Tanz der Marktweiber und den Metzgersprung kennt, versteht, dass hier weniger die Masse zählt als die Tradition. Diese Seite bündelt die Münchner Faschingsbräuche und ihre Termine.
Der belegte Kern
Nominell beginnt die Faschingssaison am 11. November. Gefeiert wird in München aber vor allem in der lebendigen Phase zwischen dem 7. Januar, dem Tag nach Dreikönig, und dem Faschingsdienstag, der zugleich das Ende markiert. Danach folgt der Aschermittwoch, an dem der Fasching schlagartig endet. 2027 fällt der Faschingsdienstag auf den 9. Februar, der Aschermittwoch auf den 10. Februar.
Getragen wird der städtische Fasching von den Faschingsgesellschaften, allen voran der Münchner Gesellschaft Narrhalla, gegründet 1893, dem ältesten Faschingsverein der Stadt. Sie stellt das offizielle Prinzenpaar, das zu Saisonbeginn auf dem Marienplatz inthronisiert wird und vom Oberbürgermeister symbolisch den Stadtschlüssel erhält. Dazu kommen die Damischen Ritter, deren Faschingszug seit 1928 durch die Innenstadt zieht, und weitere Gesellschaften mit eigenen Garden und Prinzenpaaren.
Charakter: Gaudi statt Massenzug
Der Münchner Fasching setzt weniger auf den großen Straßenkarneval als auf Bälle, Gardetänze und einzelne, tief verwurzelte Bräuche. Vieles kommt aus den Zünften: Der Schäfflertanz alle sieben Jahre und der Metzgersprung gehören historisch in die Faschingszeit, ebenso der Tanz der Marktfrauen vom Viktualienmarkt. Der Straßenfasching bündelt sich in den letzten Tagen, wenn München narrisch die Fußgängerzone zwischen Stachus und Marienplatz bespielt und der Viktualienmarkt zur Bühne wird.
Nicht die Zahl der Zuschauer macht den Münchner Fasching aus, sondern die Handvoll Bräuche, die eine Zunft, ein Markt und eine Gesellschaft seit Generationen weitertragen.
Vom Zunftbrauch zum Stadtfest
Viele Münchner Faschingsbräuche stammen der Überlieferung nach aus der Pestzeit, als Zünfte tanzend und musizierend durch die Straßen zogen, um den verängstigten Bürgern wieder Mut zu machen. Aus dieser Wurzel leiten sich der Schäfflertanz und der Metzgersprung her. Andere Bräuche sind jünger: Das Prinzenwesen der Narrhalla stammt aus dem späten 19. Jahrhundert, der Bühnentanz der Marktfrauen in heutiger Form aus dem Jahr 1987. So mischt sich in München altes Zunftbrauchtum mit dem Vereinsfasching des 20. Jahrhunderts.
Mythos-Check
Oft heißt es, München habe im Vergleich zum rheinischen Karneval keinen echten Fasching. Das trifft nicht ganz: Zwar sind Umzüge und Publikum deutlich kleiner als in Köln oder Mainz, doch besitzt München mit dem Tanz der Marktweiber, dem Metzgersprung und dem Schäfflertanz eigene Zunft- und Markttraditionen, die es andernorts so nicht gibt. Der Münchner Fasching ist nicht kleiner an Tradition, nur anders gewichtet. Wie sich der Schäfflertanz als Faschingsbrauch alle sieben Jahre einordnet, zeigt der Beitrag Der Schäfflertanz.