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Thema · Sprache und Begriffe

Brauchtums-Lexikon

Bairische Begriffe von A bis Z. Wer sich im Münchner Brauchtum bewegt, stolpert über Wörter, die kein Wörterbuch der Hochsprache kennt. Dieses Lexikon erklärt die wichtigsten knapp und richtig, vom Charivari bis zum Zwiefachen.

Einträge27 Begriffe
BereichBairischer Raum
OrdnungVon A bis Z
StandAugust 2026

Brauchtum hat seine eigene Sprache. Manche Wörter bezeichnen ein Kleidungsstück, andere einen Tanz, ein Fest, eine Rolle oder eine Geste. Viele davon leben nur im Dialekt und geraten leicht durcheinander, weil ihre Bedeutung selten aufgeschrieben wird. Dieses kleine Lexikon sammelt die Begriffe, die auf diesen Seiten immer wieder auftauchen, und erklärt sie in einem Satz oder zwei. Es ersetzt kein Fachbuch, sondern soll beim Lesen helfen und die eine oder andere Verwechslung ausräumen.

Die Auswahl ist bewusst kuratiert, nicht vollständig. Sie reicht von der Tracht über Musik und Tanz bis zu Festen und Alltagsworten. Wo ein Begriff zu einem eigenen Brauch oder Thema gehört, führt ein Verweis zur ausführlichen Seite. Die Einträge sind alphabetisch geordnet, der Buchstabe links markiert den Anfang.

Zur Schreibung: bairisch oder bayerisch

Beide Formen sind richtig, meinen aber nicht dasselbe. Bairisch mit i steht für die Sprache, den Dialekt und die überlieferte Kultur des altbayerischen Raums, der über die Landesgrenze hinaus bis Österreich und Südtirol reicht. Bayerisch mit y bezieht sich auf den Freistaat Bayern als Staat und Verwaltung. Ein Schuhplattler ist also bairisch, ein Ministerium ist bayerisch. In diesem Lexikon geht es fast durchweg um das bairische Brauchtum.

Die Begriffe

Von A bis Z

B

Boarisch

Die eigene Aussprache des Wortes bairisch, zugleich die Selbstbezeichnung von Sprache und Lebensart im altbayerischen Raum. Boarisch ist der Dialekt, der von Ober- und Niederbayern über die Oberpfalz bis nach Österreich und Südtirol gesprochen wird, und weit mehr als ein Akzent. Zur Unterscheidung von bayerisch siehe den Kasten weiter oben.

C

Charivari

Eine meist silberne Schmuckkette, die quer über die Latzhose der Lederhose oder am Dirndl getragen wird. Daran hängen Anhänger wie Münzen, Grandln, also die Eckzähne des Hirschs, Korallen, Krallen oder kleine Medaillen. Ursprünglich hielt die Kette die Taschenuhr, heute ist sie reiner Trachtenschmuck und ein kleines Standeszeichen.

D

Derblecken

Bairisch für das spöttische, respektlose Verhöhnen. Berühmt ist das politische Derblecken in der Fastenpredigt am Nockherberg, wo die Spitzen der Politik einmal im Jahr öffentlich durch den Kakao gezogen werden und das mit Fassung tragen müssen. Wer derbleckt wird, gehört dazu, wer ausgelassen wird, ärgert sich.

D

Dult

Ein traditioneller Jahrmarkt mit Markt-, Trödel- und Fahrgeschäften, der ursprünglich mit einem kirchlichen Fest verbunden war. In München ist die Auer Dult auf dem Mariahilfplatz die bekannteste, dreimal im Jahr als Mai-, Jakobi- und Kirchweihdult. Das Wort hängt mit einem alten Ausdruck für kirchliches Fest zusammen.

F

Fingerhakeln

Ein altbairischer Kraftwettkampf, bei dem zwei Männer an einem Tisch gegenübersitzen und einen Lederriemen über den Mittelfinger legen. Wer den anderen über die Tischmitte zieht, gewinnt. Das Fingerhakeln wird bis heute in Vereinen und mit eigenen Meisterschaften betrieben und gilt als eine der ältesten Sportarten der Region.

G

Goaßl

Bairisch für die Peitsche, meist eine geflochtene Fuhrmannspeitsche. Beim Goaßlschnalzen wird sie in festem Rhythmus geschwungen, sodass der Knall wie ein Taktschlag klingt. Aus dem alten Handwerk der Fuhrleute ist so ein eigener Brauch geworden, den Schnalzergruppen oft in Tracht und mehrstimmig vorführen.

G

Godl und Goed

Die bairischen Wörter für die Patin, die Godl, und den Paten, den Goed oder Göd. Sie übernehmen bei der Taufe die geistliche Begleitung des Kindes und bleiben oft ein Leben lang wichtige Bezugspersonen. Traditionell bringen sie zu Festen kleine Geschenke und stehen dem Patenkind in besonderer Weise bei.

G

Gstanzl

Eine kurze, gesungene Spottstrophe, meist vierzeilig und gereimt, oft aus dem Stegreif auf eine bekannte Melodie gedichtet. Gstanzl nehmen Anwesende, das Dorf oder die große Politik aufs Korn und gehören zur lebendigen Volksmusik. Sie sind mit dem Schnaderhüpfl verwandt und leben von Schlagfertigkeit.

K

Kirta

Die bairische Kurzform von Kirchweih, dem Fest zur Weihe einer Kirche, das jedes Jahr am Weihetag gefeiert wird. Vielerorts hat man die vielen Termine auf einen gemeinsamen Tag zusammengelegt, die Allerweltskirta im Oktober. Mehr dazu steht beim Brauch Kirchweih.

K

Kramperl

Bairisch für den Krampus, die zottelige, gehörnte Schreckgestalt, die den heiligen Nikolaus begleitet. Während der Nikolaus lobt und beschenkt, soll das Kramperl die Unartigen erschrecken. Bei Krampusläufen ziehen die Gestalten mit Masken und Schellen durch die Orte, mehr dazu beim Brauch Nikolaus und Krampus.

K

Kraxn

Eine hölzerne Rückentrage, mit der früher Lasten getragen wurden, vom Heu bis zum Krämergut. Aus der Kraxn ist auch ein festliches Schaustück geworden, die reich geschmückte Kraxe der Kraxenträger, die bei Umzügen mitgeführt wird. Das Wort steht heute oft auch abwertend für ein altes, klappriges Gerät.

L

Landler

Ein ruhiger, gemächlich drehender Volkstanz im Dreivierteltakt, benannt nach dem Landl an der oberösterreichischen Grenze. Der Landler gilt als Vorläufer des Walzers und wird paarweise mit vielen Drehfiguren getanzt. Er gehört zum festen Bestand der bairischen Tanzmusik.

M

Marterl

Ein kleines Gedenkmal am Weg, meist eine bemalte Tafel oder ein Kreuz, das an einen Unglücksfall oder einen Toten an genau dieser Stelle erinnert und um ein Gebet bittet. Das Wort geht auf die Marter, das Leiden, zurück. Marterl finden sich an Feldwegen, Berghängen und Straßen und sind ein stiller Teil der Landschaft.

M

Maßkrug

Der Krug, der eine Maß fasst, also einen Liter Bier. Die Maß, gesprochen mit kurzem a, ist das übliche Ausschankmaß auf Volksfesten und in Biergärten. Der steinerne oder gläserne Maßkrug gehört zur Esskultur so selbstverständlich wie die Brotzeit. Nicht zu verwechseln mit der Maßeinheit im Schneiderhandwerk.

N

Nockherberg

Eine Anhöhe in der Münchner Au, auf der die Paulaner-Brauerei ihr Starkbierfest ausrichtet. Der Name steht heute für das Fest selbst und vor allem für die Fastenpredigt mit dem politischen Derblecken, das im Fernsehen übertragen wird. Ausgeschenkt wird der starke Salvator, ein Doppelbockbier.

O

Oide Wiesn

Der alte Teil des Oktoberfests, ein abgetrennter, ruhigerer Festplatz mit historischen Fahrgeschäften, Museumszelt und Volksmusik gegen kleinen Eintritt. Die Oide Wiesn zeigt, wie das Fest früher aussah, und pausiert in den Jahren des Zentral-Landwirtschaftsfests. Mehr steht beim Brauch Oktoberfest.

P

Plattln

Das rhythmische Schlagen auf Schenkel, Knie und Schuhsohlen, das den Schuhplattler ausmacht. Plattln verlangt Übung und Genauigkeit, denn die Schläge müssen sitzen wie ein Trommelwirbel. Getanzt wird es meist von Burschen in den Trachtenvereinen, oft als Werbung um die Dirndl, mehr dazu unter Musik und Tanz.

R

Ratschen

In der Karwoche schweigen von Gründonnerstag bis zur Osternacht die Kirchenglocken, sie fliegen der Überlieferung nach nach Rom. In dieser Zeit ziehen Kinder mit hölzernen Ratschen, also Klappern, durch die Straßen und ersetzen mit ihrem Lärm das Läuten, das die Gebetszeiten ankündigt. Für den Dienst gibt es oft eine kleine Gabe.

R

Raunächte

Die zwölf Nächte um Weihnachten und den Jahreswechsel, denen alter Volksglaube besondere Kraft zuschreibt. In dieser Zeit wird geräuchert, gedeutet und geschwiegen, weil die Grenze zwischen den Welten als durchlässig gilt. Woher der Brauch kommt und was belegt ist, steht ausführlich beim Thema Raunächte.

S

Schäffler

Der alte Handwerksberuf des Fassbinders, der aus Holzdauben Bottiche und Fässer fertigt. In München ist mit den Schäfflern vor allem der Schäfflertanz verbunden, ein Zunfttanz, der der Überlieferung nach nur alle sieben Jahre aufgeführt wird und einst die Menschen nach einer Pestzeit wieder auf die Straße locken sollte.

S

Schuhplattler

Ein alpenländischer Volkstanz, bei dem die Tänzer im Takt auf Schenkel, Knie und Schuhsohlen schlagen. Ursprünglich ein Werbetanz der Burschen um die Mädchen, ist er heute fester Bestandteil der Trachtenvereine und ihrer Auftritte. Das eigentliche Schlagen heißt Plattln, mehr unter Musik und Tanz.

S

Servus

Ein Gruß für das Kommen wie für das Gehen, also Hallo und Tschüss zugleich. Er stammt vom lateinischen servus, dem Diener, und war ursprünglich die Kurzform einer höflichen Formel im Sinne von ich bin dein Diener. Heute ist Servus ein vertraulicher Gruß unter Menschen, die sich duzen.

T

Tracht

Die überlieferte regionale Kleidung, für Frauen das Dirndl, für Männer die Lederhose mit Joppe und Hut. Die Tracht verriet früher Herkunft, Stand und Familienstand und war streng geregelt. Heute reicht das Feld von der historisch belegten Festtagstracht bis zum modischen Dirndl, mehr dazu beim Brauch Tracht.

W

Watschn

Bairisch für die Ohrfeige, den Schlag mit der flachen Hand ins Gesicht. Das Wort lebt in vielen Redensarten weiter, vom Watschnbaum, von dem angeblich zu viele gefallen sind, bis zur Watschn im übertragenen Sinn einer herben Niederlage. Als Erziehungsmittel ist die Watschn glücklicherweise Geschichte.

W

Weißwurstäquator

Eine scherzhaft gedachte Grenzlinie, die den kulturellen Süden abtrennt, grob das Gebiet, in dem die Weißwurst zu Hause ist. Wo die Linie genau verläuft, ist Ansichtssache, genannt werden der Main, die Donau oder schlicht die weiß-blaue Lebensart. Zur Weißwurst und ihren Regeln siehe die Esskultur.

W

Wiesn

Der Münchner Name für das Oktoberfest, abgeleitet von der Theresienwiese, auf der es stattfindet. Wer auf die Wiesn geht, meint das größte Volksfest der Welt mit seinen Zelten, Umzügen und Fahrgeschäften. Die Herkunft des Namens und der belegte Brauchtumskern stehen beim Brauch Oktoberfest.

Z

Zwiefacher

Ein Volkstanz, der unregelmäßig zwischen Walzertakt und Drehertakt wechselt, also zwischen Dreiviertel und Zweiviertel. Dieser Wechsel gibt ihm den Namen, denn zwiefach heißt zweifach. Tänzer und Musik müssen die Reihenfolge der Takte kennen, das macht ihn zu einem der reizvollsten Tänze der bairischen Tanzmusik.

Wie das Lexikon zu lesen ist

Die Einträge sind knapp gehalten und wollen keine wissenschaftliche Herleitung leisten. Wo ein Begriff sein eigenes Kapitel hat, etwa der Schäfflertanz, die Raunächte oder die Tracht, führt der Verweis dorthin, denn erst der ganze Zusammenhang macht einen Brauch verständlich. Manche Wörter haben mehrere Bedeutungen, wir nennen jeweils die, die im Brauchtum gebräuchlich ist.

Sprache verändert sich, und der Dialekt kennt viele Schreibweisen. Wir richten uns nach der Form, die im altbayerischen Raum am geläufigsten ist, und schreiben deutsche Wörter mit echten Umlauten. Wer einen wichtigen Begriff vermisst oder eine Ergänzung hat, findet den Weg dazu über die Seite Mitmachen.

Belegt statt behauptet

Mythos gegen Fakt

Wie sich der überlieferte Kern eines Brauchs von der später erfundenen Legende trennen lässt.

Lesen →
Klang und Bewegung

Musik und Tanz

Zwiefacher, Landler und Schuhplattler: die Tänze und Melodien hinter den Begriffen.

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Am Tisch

Esskultur

Weißwurst, Maß und Brotzeit: was hinter den Wörtern rund ums Essen und Trinken steckt.

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Quellen

  1. Bayerisches Wörterbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, zu Dialektbegriffen und ihrer Bedeutung.
  2. Duden und DWDS, digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, zu Schreibung und Herkunft von Weißwurstäquator, Servus und weiteren Stichwörtern.
  3. Historisches Lexikon Bayerns, zu Schäfflertanz, Dult, Oktoberfest und regionalem Brauchtum.
  4. Bayerischer Landesverein für Heimatpflege, zu Tracht, Tanz und Volksmusik.

Stand August 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.